Innere Uhr Forscher wollen Jetlags mit Lichtblitzen kurieren

Jetlag ACHTUNG: DIESER BEITRAG DARF NICHT VOR DER SPERRFRIST, 16. OKTOBER 18.00 UHR, VERÖFFENTLICHT WERDEN! EIN BRUCH DES EMBARGOS KÖNNTE DIE BERICHTERSTATTUNG ÜBER STUDIEN EMPFINDLICH EINSCHRÄNKEN. ARCHIV - Auf seinen Koffer gestützt wartet ein erschöpfter Reisender am 16.04.2010 auf dem Flughafen Frankfurt (Hessen). Auch Darmbakterien leben nach einer inneren Uhr - Gerät sie infolge von Schichtarbeit oder eines Jetlags aus dem Takt, kann das beim Menschen womöglich Übergewicht und andere Stoffwechsel-Erkrankungen zur Folge haben. Foto: Boris Roessler/dpa (zu dpa ´Jetlag bringt Darmbakterien aus dem Takt _ Übergewicht droht" vom 16.10.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Lichtblitze im Schlaf verschieben den Tag-Nacht-Rhythmus, berichten Forscher. Die Methode könnte Langstreckenflüge erträglicher machen.

Von Christoph Behrens

Lichtblitze während des Schlafs können die innere Uhr verstellen und die Müdigkeit am nächsten Abend verzögern. Davon berichten Wissenschaftler der Universität Stanford im Journal of Clinical Investigation. Sie hoffen, dass mithilfe der Methode Jetlags auf langen Reisen kuriert werden können. "Das könnte ein neuer Weg sein, sich viel schneller an Zeitwechsel anzupassen als bislang", erklärte der Leiter der Studie Jamie Zeitzer in einer Mitteilung der Universität.

Für das Experiment baten die Forscher 40 Teilnehmer ins Schlaflabor. Bei einigen leuchtete kurz nach dem Einschlafen eine Lampe für eine Stunde. Die zweite Gruppe wurde im Schlaf kurzen Lichtpulsen ausgesetzt, die jeweils nur zwei Millisekunden dauerten.

Das Flackern hielt eine Stunde an, insgesamt war es wegen der Kürze der Impulse weniger als eine Sekunde hell. Dennoch setzte bei dieser Gruppe die Müdigkeit am nächsten Tag im Durchschnitt rund zwei Stunden später ein als gewöhnlich. Bei der Gruppe, die dem kontinuierlichen Licht ausgesetzt war, verschob sich der Tag-Nacht-Rhythmus nur um 36 Minuten.

Möglicher Ausgleich für Jetlags

Es ist bereits bekannt, dass Licht die innere Uhr sehr stark beeinflusst. So werden Personen mit Schlafstörungen oder herbstlichen Depressionen mithilfe von Tageslichtlampen behandelt. Bislang war jedoch nicht klar, dass selbst äußerst kurze Lichtblitze den menschlichen Tag-Nacht-Rhythmus durcheinanderbringen. Dies sei ein Hinweis auf einen verborgenen Mechanismus zwischen den Zellen der Netzhaut und dem Gehirn, vermutet Zeitzer. Diesen Schaltkreis habe man biologisch "gehackt", dem Gehirn werde im Schlaf vorgegaukelt, dass es noch Tag sei. Eine mögliche Erklärung ist das Verhalten einiger Nervenzellen auf der Netzhaut: Sie reagieren relativ träge und leiten Signale zum Gehirn selbst dann längere Zeit weiter, wenn der Lichtimpuls selbst sehr kurz ist.

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Mithilfe des Flackerns lasse sich womöglich auch der Jetlag auf langen Reisen ausgleichen, vermuten die Forscher. "Für so eine Therapie möchte man natürlich eine maximale Wirkung in minimaler Zeit erreichen", sagt Eva Winnebeck vom Schlaflabor der Uni München. Fliegt eine Geschäftsfrau etwa tagsüber von Europa in die USA, könnte sie am Vorabend der Reise die Lichttherapie einsetzen - und bliebe bei der Ankunft in Amerika am Abend länger fit.

Möglichst viel Tageslicht nach langen Reisen

Jetlags auszugleichen ist jedoch nicht unkompliziert. So müsste ein Reisender sowohl die beiden Ortszeiten als auch die Flugdauer beachten. "Dazu kommt die biologische Zeit, die sich zwischen den beiden Ortszeiten einpendelt", sagt Winnebeck. Gerade bei langen Reisen oder Übernachtflügen gehen zusätzliche Eingriffe wie die Gabe von Hormonen schnell daneben. Der biologische Rhythmus könnte sich dann unbeabsichtigt von der Tageszeit am Zielort entfernen, statt sich ihr anzunähern. Dann wäre der Körper müde, wenn er fit sein sollte oder umgekehrt. Die Forscherin der Uni München rät daher Reisenden dazu, sich nach einem Flug möglichst schnell auf die neue Zeit einzustellen. Das bedeute vor allem, viel Zeit draußen zu verbringen, um Tageslicht abzubekommen und den Körper an den neuen Rhythmus zu gewöhnen.

Dennoch seien die Lichtblitze ein vielversprechender Ansatz, sagt Winnebeck - schon allein um zu verstehen, wie genau der Körper das Licht unterbewusst verarbeitet.

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