Influenza Grippesaison war ungewöhnlich stark

Grippesaison 2017/18: Ungewöhnlich waren die schweren Verläufe gerade bei jüngeren Erwachsenen.

(Foto: dpa)
  • Nachweislich 333 567 Menschensind in der vergangenen Grippesaison erkrankt, 1665 Patienten starben durch Influenza-Viren.
  • Neben Menschen über 60 Jahren waren auffallend viele jüngere Erwachsene von der Krankheit betroffen.
  • Am häufigsten sorgten Influenza B-Viren der Yamagata-Linie für Probleme (68 Prozent).

Die Grippewelle im zurückliegenden Winter ist nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) ungewöhnlich stark verlaufen. Zwischen Ende Dezember und Anfang April erkrankten nachweislich 333 567 Menschen an einer Grippe, heißt es im aktuellen Bericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI). Die Zahl der tatsächlich Erkrankten dürfte weit darüber liegen. Denn nicht jeder Grippekranke geht zum Arzt und nur ausgewählte Praxen schicken Erregerproben ins Labor.

Insgesamt fiel die Grippesaison 2017/2018 noch stärker aus als die im vergangenen Winter. Damals wurden 114 200 Fälle mittels Labordiagnostik bestätigt, etwa 30 000 Patienten mussten im Krankenhaus behandelt werden, und es kam zu 723 nachweislichen Todesfällen.

Fast ein Fünftel der registrierten Grippepatienten (18 Prozent) kam wegen der Schwere der Erkrankung in eine Klinik. Nachweislich 1665 Patienten sind durch Influenza-Viren gestorben. Die große Mehrheit (87 Prozent) war über 60 Jahre alt. Oft gab es Vorerkrankungen. Auch die Todesfallzahlen können in der Realität deutlich höher liegen, da sich Grippeerreger nicht bei allen Gestorbenen feststellen lassen. Bei einer bakteriellen Lungenentzündung als Todesursache sind sie zum Beispiel oft nicht mehr nachzuweisen.

Menschen über 60 Jahren haben generell ein höheres Risiko für schwere Erkrankungen und gehören auch bei Grippe zu den gefährdeten Altersgruppen. Doch auch weit jüngere Menschen waren in dieser Saison besonders betroffen: "Wir hatten auch viele schwere Fälle unter jüngeren Erwachsenen", sagte Silke Buda, Epidemologin am RKI zu SZ.de.

Auch wenn die Grippewelle in diesem Jahr ungewöhnlich lang anzuhalten schien, so gab es in der Vergangenheit noch deutlich ausgedehntere Verläufe. Nach AGI-Definition begann die aktuelle Krankheitssaison in der letzten Woche des Jahres 2017, erreichte während von Mitte Februar bis Anfang März (KW8 bis KW10) ihren Höhepunkt und endete nach 15 Wochen Anfang April 2018 (KW 14). Im Vergleich: In der Grippesaison 2012/13 dauerte die Krankkeitswelle vier Wochen länger.

Am häufigsten kamen in den 15 Wochen der Grippewelle überwiegend Influenza B-Viren aus der Yamagata-Linie vor (68 Prozent). Diese seien schon im vergangenen Jahr aufgetreten, allerdings nur in ganz geringem Ausmaß, sagt Silke Buda. "Viele Menschen hatten keine ausreichende Immunität gegen diesen Erreger und waren dieses Jahr besonders empfänglich."

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Die AGI zählte unter anderem 145 Ausbrüche in Krankenhäusern, 144 in Kindergärten, 58 in Schulen und 51 in Alten- und Pflegeheimen.