Infektionskontrolle Gesucht: die nächste große Seuche

Um die Gelbfiebermücke zu eliminieren, räuchern Gesundheitsarbeiter ein dicht besiedeltes Viertel der indonesischen Stadt Surabaya auf Ostjava aus.

(Foto: AFP)

Wissenschaftler versuchen, künftige Epidemien besser vorherzusagen. Zu den Verdächtigen gehören Klassiker, aber auch weitgehend unbekannte Erreger wie das Nipah-Virus - sowie "Krankheit X".

Von Berit Uhlmann

Zurzeit ist es das Lassafieber, das in Nigeria die Fallzahlen in nie gesehene Höhen schnellen lässt. Innerhalb von acht Wochen wurden mehr als 300 Erkrankte gezählt, 72 starben. Das mag nicht dramatisch klingen, doch Peter Salama, bei der Weltgesundheitsorganisation WHO für den Seuchenschutz zuständig, sagt: "Wir sind besorgt". Denn das mit Ebola verwandte Lassafieber gehört zu jenen Erkrankungen, denen die WHO zutraut, sich zur nächsten großen Seuche zu entwickeln. Zu einem Ausbruch, der Teile der Welt in Aufruhr versetzt und am Ende die Frage offenlässt, warum das bloß niemand hatte kommen sehen.

Spätestens nach der Ebola-Krise im Jahr 2014 wurde diese Frage so deutlich gestellt, dass sich die Weltgemeinschaft mittlerweile veranlasst sieht, stärker in die Vorbeugung gegen Infektionskrankheiten zu investieren - und dabei auch Prognosen zu wagen. So legen nun sowohl die Weltbank als auch die WHO Listen von Erregern vor, denen sie ein ausgeprägtes Potenzial für größere Epidemien oder gar Pandemien zutrauen - und gegen die sie sich durch Notfallfonds und Forschung wappnen wollen. Zu den wichtigsten Verdächtigen gehören eine Reihe der sogenannten hämorrhagischen Fieber, einer Gruppe, in die auch das Lassafieber fällt.

Die Krankheiten sind Paradebeispiele für den Schrecken, den Seuchen verbreiten können. Sie verlaufen bisweilen so grauenhaft, dass nicht nur der Organismus der Kranken, sondern auch das soziale Gefüge im Umkreis des Ausbruchs kollabieren kann. Denn wo schwer fiebernde Menschen bluten, wo die Ernährer von Großfamilien hilflos sterben, drohen Panik, Unruhen, Stigmata, der Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung und ganzer Wirtschaftszweige.

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Zu den Kandidaten für schwere Epidemien zählen zudem Coronaviren, die Atemwegserkrankungen wie Sars und Mers auslösen können. Sars ist seit 14 Jahren nicht mehr aufgetreten, doch die Krankheit ist durch ihre enorm schnelle Verbreitung in Erinnerung geblieben. Quasi aus dem Nichts tauchte der Erreger 2003 in China auf, und noch ehe jemand begriffen hatte, was vor sich ging, war er um den halben Erdball gereist und verbreitete sich sogar in Ländern mit gut ausgebauten Gesundheitssystemen wie Kanada und Singapur.

Die Weltbank listet zusätzlich die Influenza auf, die vielen Experten ohnehin als Hauptverdächtige für eine neue Pandemie gilt. Schließlich ist sie in den vergangenen 100 Jahren schon dreimal mit verheerenden Folgen um die Welt gezogen. Die WHO, die sich mit ihrer Prioritätenliste vor allem auf jene Erreger konzentriert, gegen die bisher kaum ein Kraut gewachsen ist, führt zudem noch das Zika-Virus auf sowie einen Erreger, von dem die meisten Menschen wohl noch nie etwas gehört haben: das Nipah-Virus.

Der Erreger wird seit 1998 in Malaysia, Bangladesch und Teilen Indiens beobachtet, wo er tödliche Gehirnentzündungen auslöste. Bei einigen Ausbrüchen starben mehr als 70 Prozent der Erkrankten. Derzeit stecken sich Menschen überwiegend bei Schweinen an. Sollte sich der Erreger aber verändern und sich leichter unter Menschen verbreiten, wäre die Lage extrem ernst.