Infektionskrankheiten Wenn Eltern zu spät impfen lassen

Mit 24 Monaten sollten alle Kinder zwei Mal gegen die Masern geimpft worden sein.

(Foto: dpa)
  • In einer neuen Analyse hat das Robert-Koch-Institut die Rate der pünktlichen Impfungen ausgewertet. Demnach erhalten nur Drei Viertel der Kinder eine fristgemäße und komplette Immunisierung gegen die Masern.
  • Gegen das Rotavirus sind nur zwei Drittel zum empfohlenen Zeitpunkt geimpft.
  • Damit fehlt Kindern der komplette Schutz in einem besonders empfindlichen Alter.
Von Berit Uhlmann

Keine Zeit, Stress oder schlicht Schludrigkeit: In Deutschland werden Kinder häufig zu spät geimpft. So haben unter den 2013 Geborenen nur 87 Prozent die erste Impfung rechtzeitig bekommen. Die zweite Impfung erhielten nur 74 Prozent zum empfohlenen Zeitpunkt, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilt. Damit sind allein aus diesem Geburtsjahrgang etwa 178 000 Kinder gar nicht oder unvollständig vor der Infektionskrankheit geschützt. Die Masern-Impfungen sollten spätestens mit dem Ablauf des zweiten Lebensjahres abgeschlossen sein.

Viele Eltern holen das Versäumnis irgendwann nach. Doch das RKI warnt: Werden Kinder nicht rechtzeitig immunisiert, bleiben sie gerade in einem Alter unzureichend geschützt, in dem sie ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben können.

Akut können Masern-Infektionen bei Kindern zu Mittelohrentzündungen führen. Besonders gefürchtet aber ist eine Spätkomplikation namens SSPE. Die sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis ist eine Entzündung des gesamten Gehirns, die in der Regel tödlich endet. Eine Studie zeigte vor kurzem, dass diese Erkrankung offenbar häufiger ist, als bislang gedacht. Von 1387 Kindern, die sich vor ihrem fünften Lebensjahr mit den Masern infizieren, erkrankt eines an SSPE.

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Das RKI zeigt zugleich, dass die erst seit 2013 empfohlene Immunisierung gegen das Rotavirus nur zögernd angenommen wird. Lediglich zwei Drittel der Kinder haben die komplette und fristgerechte Impfung erhalten. Schlusslicht ist der Landkreis Rosenheim, wo nur 15 Prozent der Kinder das Vakzin bekamen.

Eine Infektion mit dem Virus löst heftige Brech-Durchfälle aus, die gerade für Babys gefährlich werden können. Die Kleinen verlieren unter Umständen zu viel Flüssigkeit und Mineralstoffe und müssen im Krankenhaus behandelt werden.

Bei dieser Impfung ist Pünktlichkeit auch aus einem anderen Grund wichtig. Mit steigendem Alter des Kindes gibt es ein geringfügiges Risiko, dass die Impfung zu einem Darmverschluss führt. Daher sollte die Impfserie spätestens im Alter von zwölf Wochen beginnen und im Alter von spätestens 32 Wochen abgeschlossen sein.

Das RKI hat in seiner Analyse lediglich die Raten der fristgerechten Impfungen ausgewertet und dazu auf Abrechnungen der Kassenärzte zurückgegriffen. Klassischerweise wird der Impfstatus zum Zeitpunkt des Schuleintritts der Kinder registriert. Dabei entsteht ein positiveres Bild, da jene Lücken nicht mit berücksichtigt werden, die durch Verspätungen bei den Impfungen entstehen.

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