Infektionskrankheiten Mit Gentechnik gegen Malaria

Moskitos übertragen den Malaria-Parasiten. Forscher haben den Krankheitserreger nun genetisch so verändert, dass er Menschen vor der Krankheit schützen könnte.

Von Kai Kupferschmidt

Leiden für die Forschung? Dazu ist Stefan Kappe jederzeit bereit. Vergangenes Jahr hat der Forscher von der University of Washington in Seattle seinen Arm zehn Minuten auf einen Käfig voller hungriger Moskitos gelegt. Mehr als 150 Stiche hat er dabei erlitten - und die Tiere haben ihm bis zu 200 000 winzige Parasiten übertragen, den Malaria-Erreger Plasmodium falciparum. Trotzdem sind weder Kappe noch die neun anderen Freiwilligen, die an der Studie teilgenommen haben, krank geworden. Das berichten die Forscher im Fachblatt Science Translational Medicine. Der Grund: Die Malariaerreger sind genetisch verändert. Ihnen fehlen drei Gene, die sie zur Entwicklung brauchen.

Kappes Studie ist eine von vielen, die einen neuen Weg zu einem Impfstoff gegen Malaria suchen. Insektizide, Bettnetze und Medikamente haben die Zahl der Malariafälle in den vergangenen Jahren deutlich reduziert, doch noch immer sterben jedes Jahr mehr als 400 000 Menschen an der Krankheit. Seit Kurzem gibt es erstmals einen zugelassenen Impfstoff: Mosquirix von Glaxo-Smith-Kline. Doch die Ergebnisse sind ernüchternd. In klinischen Studien erlitten geimpfte Kinder zwar etwa ein Drittel weniger Malariafälle, aber der Schutz lässt schnell nach. "Im Grunde werden gar keine Infektionen verhindert, sie werden einfach nur nach hinten verschoben", sagt Kai Matuschewski, Malariaforscher an der Humboldt-Universität Berlin. Die Weltgesundheitsorganisation hat einen großflächigen Einsatz des Impfstoffs vorerst nicht empfohlen. Stattdessen soll er in mehreren Pilotprojekten getestet werden.

Mosquirix nutzt ähnlich wie Grippe-Impfstoffe einzelne Komponenten von der Oberfläche des Erregers. Kappe verfolgt eine andere Strategie. Er will mit lebenden, aber unschädlich gemachten Malariaerregern impfen. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Menschen einen Schutz gegen die Krankheit aufbauen, wenn ihnen Malariaerreger gespritzt werden, die vorher bestrahlt wurden.

Die Bestrahlung schädigt das Erbgut der Parasiten so stark, dass sie sich in der Leber nicht fortpflanzen können. Das Problem sei nur, dass die Bestrahlung ein zufälliger Prozess sei, sagt Kappe. "Da entsteht jedes Mal etwas anderes." Kappe hat in den Parasiten gezielt drei Gene zerstört. Das hat offenbar gereicht, um zu verhindern, dass die Krankheit beim Menschen ausbricht. Im Sommer steht nun der nächste Schritt an: Kappe will zeigen, dass Menschen, die mit den veränderten Erregern infiziert wurden, danach immun sind gegen Malaria.

Selbst dann ist es ein sehr weiter Weg zu einem Impfstoff. Zwei große Probleme sieht Matuschewski: Eine Impfung durch Moskitos sei extrem umständlich, und die einzige Alternative sei bisher, direkt in eine Vene zu spritzen, was viele Gefahren birgt. Realistisch sei der Impfstoff erst, wenn er in den Muskel oder unter die Haut gespritzt werden könne. Zudem müssen die Parasiten permanent tiefgekühlt werden, eine riesige Hürde für einen Impfstoff in Afrika. Trotzdem sei Kappes Studie ein Schritt in die richtige Richtung, sagt Matuschewski. "Nur von einem wirklich wirksamen Malariaimpfstoff sind wir noch sehr weit entfernt."