Infektionen Masern schwächen die Abwehr langfristig

Manche Eltern halten die Masern für eine Art kalte Dusche, die das Immunsystem abhärtet. Das Gegenteil ist der Fall. Die Erreger beeinträchtigen die Immunität gegen andere Infektionen. Und zwar über Jahre.

Von Kathrin Zinkant

Was dein Kind nicht umbringt, härtet es ab. Mit solch volkstümlicher Weisheit versuchen viele Impfskeptiker, Eltern vom Verzicht auf schützende Immunisierungen zu überzeugen. Gerade, was die Masern betrifft. Der Nachwuchs gehe aus einer Infektion mit gestärkter Abwehrkraft hervor, heißt es dann gern.

Doch das Masernvirus ist keineswegs eine kalte Dusche für den Körper, die das Immunsystem stärkt. Im Gegenteil: Nach der akuten Infektion müssen sich kleine wie große Patienten mit einer substanziellen Immunschwäche herumschlagen, die sie anfällig für zahlreiche andere Krankheitserreger macht. Und zwar nicht nur kurze Zeit, sondern über Jahre, wie eine aktuelle Arbeit im Wissenschaftsjournal Science belegt.

Das holländisch-amerikanische Wissenschaftlerteam um Bryan Grenfell von der Princeton University ist der Frage nachgegangen, warum die vor 50 Jahren eingeführte Masernimpfung die Kindersterblichkeit so massiv vermindert hat (Bd. 348, S. 694. 2015) - bis zu 90 Prozent in den ärmsten Ländern der Welt. Mit dem Schutz vor der akuten Masernerkrankung allein sind diese Werte nicht zu erklären.

Eine rigorose Analyse der Sterblichkeitsdaten aus verschiedenen Ländern stützt nun den Verdacht, dass der Schaden der Infektion tiefer greift: Immunologen hatten bereits gezeigt, dass Maserninfektionen die zuvor erworbene Immunität gegen andere Erreger schwächt. Die dafür zuständigen Gedächtniszellen der Körperabwehr werden zerstört. Danach entstehen zwar bald neue Immunzellen. Doch sind sie gegen die Masern gerichtet, nicht mehr gegen die vielen anderen Viren und Bakterien, mit denen der Körper konfrontiert wird.

Eine Immunität gegen diese Keime muss sich der Körper erst wieder mühselig durch Infektionen erarbeiten, das unterstreicht die neue Analyse deutlich. Die Autoren betonen in ihrem Resümee, dass kaum eine Krankheit so einfach zu bekämpfen ist wie die Masern. Wenn alle mitmachen.

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