Impfungen gegen Kinderkrankheiten Mehr Schutz als gedacht

Standard-Impfungen bewahren Kinder auch vor Infektionen, gegen die gar nicht geimpft wurde. Wichtig für den Schutz ist allerdings, dass der Zeitplan für die Immunisierung befolgt wird.

Von Werner Bartens

Für Impfungen gibt es viele gute Gründe - nun kommt ein weiterer hinzu: Werden Kinder gegen häufige Krankheiten wie Masern, Mumps und Röteln geimpft, sind sie nicht nur vor diesen Leiden geschützt, sondern sie müssen auch generell seltener aufgrund von Infektionen ins Krankenhaus. Besonders Atemwegsinfekte sind nicht so häufig, wenn die empfohlenen Impfungen termingerecht im Kleinkindalter stattfinden. Zu diesem Ergebnis kommen dänische Kinderärzte und Epidemiologen im Journal of the American Medical Association (online) vom heutigen Mittwoch.

Das Ärzteteam um Signe Sorup vom Statens Serum Institut in Kopenhagen hatte fast 500 000 Kinder untersucht, die zwischen 1997 und 2006 geboren wurden. Von ihrem elften Lebensmonat an bis zum zweiten Geburtstag wurde erhoben, wie oft die Kinder ins Krankenhaus aufgenommen werden mussten.

Den Impfempfehlungen zufolge sollten die Kinder im Alter von drei, fünf und zwölf Monaten gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung und Haemophilus influenzae geimpft werden, nach 15 Monaten stünde dann die MMR-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln an. Dieses Schema ist in vielen industrialisierten Ländern üblich, wird aber längst nicht überall befolgt. In der aktuellen Studie waren nur knapp 50 Prozent der Kinder entsprechend dem empfohlenen Zeitplan geimpft.

Mehr als 56 000 Krankenhausaufnahmen registrierten die Ärzte unter ihren Probanden. Die Auswertung zeigte, dass Kinder, die nach Plan geimpft worden waren, deutlich seltener ins Krankenhaus mussten als jene, die gar nicht oder in einer späteren Lebensphase geimpft wurden. Sie litten nicht so oft unter Infektionen.

"Impfungen außerhalb des Zeitplans vermeiden"

Erfolgte die Fünffachimpfung aber nach der Vakzination gegen MMR, kam es sogar öfter zu anderen Infektionen. "Gerade die MMR-Impfung wird in vielen wohlhabenden Ländern nicht oder nicht richtig befolgt", sagt Sorup. "Ärzte sollten die Eltern dazu ermutigen, ihre Kinder impfen zu lassen, und Impfungen außerhalb des Zeitplans vermeiden."

Aus ärmeren Ländern ist schon länger bekannt, dass geimpfte Kinder insgesamt seltener krank werden und auch allgemein besser vor Infektionen geschützt sind. Diese unspezifischen Wirkungen sind wohl auch der Grund, warum die geimpften dänischen Kinder robuster gegen Ansteckung waren, vermuten die Autoren.

In einem begleitenden Kommentar im Jama schreiben die Kinderärzte David Goldblatt und Elizabeth Miller aus London, dass die WHO die unspezifischen Effekte der Impfungen gerade untersucht: "Wenn wir die Kindersterblichkeit damit senken können, müssen wir vielleicht unsere Impfempfehlungen verstärken. Aber zusätzlich zu beeindruckenden Beobachtungsstudien wie diesen brauchen wir noch überzeugende Daten aus randomisiert-kontrollierten Untersuchungen."

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