Idealgewicht Kritik am BMI

Dass die Grenze zum Übergewicht bereits mit einem BMI von 25 überschritten wird, hatte die WHO 1996 festgelegt. Als die Nationalen Gesundheitsinstitute der USA die Definition 1998 übernahmen, wurden auf einen Schlag 35 Millionen beschwerdefreie Amerikaner zu übergewichtigen Risikoträgern. Dabei wissen Ärzte schon lange, dass Gewicht und Größe allein wenig aussagen: Fitte Dicke sind zumeist gesünder als schlappe Schlanke.

Der Körperbau und Trainingszustand spielen eine entscheidende Rolle, werden im BMI-Wert aber nicht berücksichtigt. Wie und wo das Fettgewebes verteilt ist, beeinflusst das kardiovaskuläre Risiko ebenfalls erheblich. Speckringe um den Bauch - die typische Apfelform, die bei Männern verbreitet ist - erhöhen das Risiko für Gefäßverkalkung und Herzinfarkt viel stärker als eine ähnlich große Fettdemonstration an der Hüfte, wie sie häufiger bei Frauen vorliegt und als Birnen- oder Rubensform bezeichnet wird.

Wie wenig aussagekräftig der willkürlich festgelegte Grenzwert von 25 ist, zeigen die Beispiele von Spitzensportlern: Für 1,80 Meter Größe läge die Spanne des Übergewichts zwischen 81 und 98 Kilogramm. Viele Zehnkämpfer und Fußballer würden der WHO-Definition zufolge als übergewichtig gelten. Oliver Kahn brachte am Ende seiner aktiven Zeit beispielsweise bei 1,88 Meter Körpergröße 91 Kilogramm auf die Waage und wäre mit einem BMI von 25,7 bereits leicht übergewichtig.

Trotz der fehlenden wissenschaftlichen Beweise werden die Gefahren durch erhöhtes Gewicht von Laien wie Medizinern immer wieder beschworen. Eine riesige Diät- und Lebensmittelindustrie lebt davon, Menschen ein schlechtes Gewissen und Gesundheitsrisiken einzureden. Doch die Belege dafür sind dünn. Amerikanische Forscher werteten 2007 im Journal of the American Medical Association Erhebungen aus, die von 1971 bis 2004 mehr als 2,3 Millionen Erwachsene umfassten. Ihr Fazit: Menschen, die nach der WHO-Definition Übergewicht haben, leben am längsten.