Hundeattacke in Hannover Wenn Hunde ihre Halter attackieren

Ein Staffordshire-Terrier-Mischling im Tierheim Hannover: Ein ähnliches Tier hat seine 27 und 52 Jahre alten Besitzer in ihrer Wohnung getötet.

(Foto: dpa)

In Hannover hat ein Staffordshire-Terrier seine beiden Besitzer getötet - das wirkt ungewöhnlich. Doch Verletzungen durch das eigene Haustier kommen häufiger vor.

Von Berit Uhlmann

Noch kennt man weder Einzelheiten nochgenaue Hintergründe zur Hundeattacke in Hannover. Sicher ist nur: Ein Staffordshire-Terrier-Mischling hat seine beiden Besitzer zu Tode gebissen. Das klingt außergewöhnlich, doch dass Hunde sich gegen ihre eigenen Halter wenden und ihnen dabei schwerste oder sogar tödliche Verletzungen zufügen, ist kein Novum.

So wurde die Französin Isabelle Dinoire von ihrem eigenen Labrador-Mischling so grauenvoll im Gesicht verletzt, dass Ärzte ihr großflächig Haut übertrugen. Die Behandlung ging 2005 als erster Fall einer Gesichtstransplantation in die Medizingeschichte ein. Erst im Dezember 2017 töteten zwei Pittbulls ihre 22-jährige Halterin im US-Bundesstaat Virginia; die Hunde waren von der jungen Frau aufgezogen worden. Zur gleichen Zeit griff in Sachsen ein Rottweiler seinen 47-jährigen Besitzer an. Der Mann starb nicht an den Verletzungen, wohl aber an einem Schock oder Herzinfarkt infolge der Attacke.

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Etwa 90 Prozent aller Hundebisse werden von einem Tier verursacht, das dem Opfer gehört oder zumindest bekannt ist, bilanzierten Mediziner 2015 in einem Artikel für das Deutsche Ärzteblatt. Sie beriefen sich dabei auf mehrere Studien aus anderen Ländern. Denn über die Situation in Deutschland ist wenig bekannt. Keine bundesweite Statistik erfasst die Hundebisse. Es gibt nur Schätzungen, wonach jährlich zwischen 18 000 und 40 000 Menschen betroffen sind. Zwei Drittel von ihnen sind Kinder und Jugendliche. Jährlich sterben dem statistischen Bundesamt zufolge ein bis sechs Menschen an den Folgen eines Hundeangriffs.

Zu den Hintergründen tödlicher Hundeattacken gibt es auch weltweit nur sehr wenige gründliche Auswertungen. Dazu gehört eine Analyse von Zwischenfällen im US-Staat Kentucky, wonach innerhalb von 15 Jahren elf Menschen von Hunden getötet wurden - sieben von ihren eigenen Tieren.

Tödlich enden Hundeattacken am ehesten bei Menschen, die sich nicht gut verteidigen können, wie Kinder. Ihnen wird gleichzeitig ihre geringe Größe zum Verhängnis. Hunde beißen sie häufiger in Kopf und Hals - Regionen, bei denen Verletzungen leicht zum Tod führen können. Auch alte und gebrechliche Menschen haben ein besonders hohes Risiko, Hundebisse nicht zu überleben.

Diese Faktoren könnten auch bei dem Fall aus Hannover eine Rolle gespielt haben: Die Mutter war pflegebedürftig und saß im Rollstuhl, ihr Sohn war kleinwüchsig. Ihr Hund soll in Kürze eingeschläftert werden.

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