HPV-Impfung Ein erster Erfolg

Als erste Krebs-Impfung wurde die Spritze gegen HPV eingeführt. Eine australische Langzeitbeobachtung bescheinigt der Impfung nun durchaus Erfolge - allerdings nicht unbedingt im Kampf gegen den Gebärmutterhalskrebs.

Von Christina Berndt

Als die Impfstoffe zugelassen wurden, freuten sich Forscher und Ärzte über "die erste Impfung gegen Krebs", denn manche der Humanen Papillomviren (HPV), gegen die sich die Impfstoffe richten, verursachen Krebs am Gebärmutterhals. Doch ob eine Impfung die in sie gesetzten Hoffnungen tatsächlich erfüllt, kann nur das jahrelange Studium ihrer Folgen im Alltag zeigen.

Nun berichten Wissenschaftler von der University of New South Wales in Australien von Langzeiterfolgen mit der HPV-Impfung (British Medical Journal, Bd. 346, S. f2032, 2013). Demnach ist das Aufkommen von Genitalwarzen drastisch zurückgegangen, seit es in Australien ein nationales Impfprogramm gegen HPV für alle 12- und 13-jährigen Mädchen gibt, das später auch auf ältere Mädchen und Frauen ausgeweitet wurde.

Zu Beginn des Programms im Jahr 2007 fanden Ärzte noch bei neun Prozent aller Mädchen und Frauen, die in sechs große Spezialkliniken für sexuell übertragbare Krankheiten kamen, Genitalwarzen; 2011 waren nur noch drei Prozent der Patientinnen betroffen. "Eine solche Reduktion dieser bedauerlichen Krankheit, die durch ein sexuell übertragbares Virus ausgelöst wird, ist eine große Errungenschaft", freuen sich zwei britische Experten für sexuelle Gesundheit, Simon Barton und Colm O'Mahony, in einem Kommentar (British Medical Journal, Bd. 346, S. f2184, 2013).

"Gegen Genitalwarzen ist die Impfung wirksam", bestätigt auch die Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg. "Das ist schön. Aber dafür ist die Impfung nicht da." Die ungefährlichen, aber oft unangenehmen Genitalwarzen werden nur von einem der beiden verfügbaren Impfstoffe bekämpft, der zugleich gegen die Virustypen HPV-6, HPV-11, HPV-16 und HPV-18 wirkt. Die ersten beiden rufen die Warzen hervor, die anderen können Krebs verursachen. Allerdings sind HPV-16 und HPV-18 nur für 70 Prozent aller Tumoren des Gebärmutterhalses verantwortlich.

Auch andere Virenstämme, gegen die die Impfstoffe nicht wirken, können den Krebs verursachen. "Nach wie vor ist deshalb unsicher, wie stark sich die Impfung auf die Häufigkeit von Gebärmutterhalskrebs auswirkt", betont Mühlhauser. Auch die Briten Barton und O'Mahony räumen ein: "Es bleibt abzuwarten, ob wir einen ähnlich dramatischen Rückgang beim Gebärmutterhalskrebs sehen werden." Sie hoffen darauf, dass künftige Impfstoffe auch die übrigen krebserregenden HPV-Typen einschließen.

Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) freut sich derweil bereits darüber, dass in Australien "bei jungen Frauen unter 18 Jahren fast 40 Prozent weniger Neuerkrankungen an Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs beobachtet" worden seien, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Die Bedeutung dieses Befunds ist allerdings fraglich. "Die Altersgruppe der unter 18-Jährigen sollte man überhaupt nicht untersuchen", sagt Mühlhauser. "Diese Frauen haben kein Krebsrisiko." Ihre Vorstufen bilden sich gemeinhin von allein wieder zurück. "Sie kommen durch Entzündungen zustande, die in den allermeisten Fällen einfach wieder ausheilen", so die Gesundheitswissenschaftlerin. Bei den über 18-Jährigen in Australien sei bisher kein Rückgang der Vorstufen entdeckt worden.

Ohne Frage können die aktuellen Impfungen das Vorkommen von Gebärmutterhalskrebs und seinen Vorstufen höchstens senken, aber nicht ausrotten, betont Ingrid Mühlhauser. Im besten Fall um 70 Prozent. Dann würden nicht mehr 10 von 1000 Frauen erkranken und drei an dem Krebs sterben, aber immer noch drei erkranken und eine von 1000 sterben. Deshalb sei es wichtig, dass die Früherkennung für Gebärmutterhalskrebs endlich qualitätsgesichert werde, da diese auch von geimpften Frauen in Anspruch genommen werde, so Mühlhauser.