Hilfe bei Legasthenie Der Weitblick macht's

Wissenschaftler haben das Lesetempo von legasthenischen Kindern deutlich erhöht. Ihr Erfolg beruhte auf einer überraschend simplen Maßnahme.

Ein einfacher Trick hilft Kindern mit Legasthenie beim Lesen: Stehen die Buchstaben eines Textes weiter auseinander als im Normalfall, fällt den Heranwachsenden die Worterkennung leichter. Diese simple Anpassung in der Textformatierung genüge bereits, damit Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche schneller und mit weniger Fehlern lesen als zuvor, schlussfolgert ein internationales Forscherteam im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences nach Tests mit italienischen und französischen Schülern.

"Ein legasthenisches Kind liest in einem Jahr die gleiche Anzahl von Wörtern wie ein guter Leser in zwei Tagen", erläutern die Forscher um Marco Zorzi von der Universität Padua. Dieser Rückstand beeinträchtige daher meist auch die schulischen Leistungen.

Für ihre Studie ließen die Forscher 74 legasthenische Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren Texte lesen. Die Texte waren entweder mit normalen oder doppelten Zeichenabstand gedruckt. In der weiter gesetzten Version stieg das Lesetempo um 20 Prozent - das entspricht nach Angaben der Forscher dem Fortschritt, den Grundschüler innerhalb eines Schuljahrs zeigen. Die Fehlerzahl sank um die Hälfte.

Bei Nicht-Legasthenikern zeigten sich diese Effekte dagegen nicht, wie ein Zusatztest ergab. Sie schnitten mit dem weiter gesetzten Text schlechter ab als mit dem normal formatierten.

Die Forscher führen die positiven Ergebnisse bei den Legasthenikern auf eine Verringerung des sogenannten Crowding-Effekts zurück: Bei diesem haben die Kinder größere Probleme, benachbarte Buchstaben visuell voneinander zu trennen. Diese Störeffekte führen zu Lesefehlern und verlangsamen das Tempo.