Heuschnupfen Mehr Jucken, mehr Niesen

Es werden immer mehr Birken gepflanzt, obwohl sie für Allergiker ungünstig sind.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Gerade quälen Birkenpollen die Allergiker. Und wer das Gefühl hat, dass es damit in den vergangenen Jahren schlimmer geworden ist, täuscht sich keineswegs: Die Pollen in Deutschland werden aggressiver.

Von Christina Berndt

Exakt 772 betrug der höchste Messwert am Freitag in Berlin. Eine reichlich unangenehme Zahl von Birkenpollen wehte damit durch jeden Kubikmeter Luft in der Hauptstadt. In anderen deutschen Städten sah es nicht viel besser aus. Alarmstufe Frühlingsgrün: Von einer starken Belastung durch Pollen sprechen Experten schon bei Tagesdurchschnittswerten von mehr als 100, und die Birke quält Allergiker auch schon bei 50 Pollen pro Kubikmeter Luft. Die Werte werden derzeit leicht erreicht.

Die langen Pollen der Birken haben ihre puschelige Phase erreicht, in der sie vom Wind leicht in alle Richtungen zerstäubt werden. Um das zu merken, brauchen 18 Prozent der Deutschen allerdings keinen Pollenmonitor, wie ihn verschiedene Wetterdienste und der Deutsche Pollenflugdienst an der Charité in Betrieb haben. Nasen und Augen besorgen das von ganz allein.

"Baumpollen-Allergiker leiden derzeit besonders", sagt Jörg Kleine-Tebbe vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie, der im Allergie- und Asthma-Zentrum Westend in Berlin praktiziert. "Üblicherweise beginnt der Birkenpollenflug schon Mitte April. Weil es da aber recht kühl war, kommt er jetzt etwas verzögert - und dafür umso stärker." Die Folge: Viele Allergiker leiden mehr als in anderen Jahren. Die juckenden Augen und triefenden Nasen nerven. Selbst der Kaffee in der Mittagssonne steht leidensbedingt zur Disposition.

Heuschnupfen: Was tun Sie gegen die lästigen Pollen?

Die Pollen werden in Deutschland aggressiver, besonders die der Birke machen es Allergikern zurzeit schwer. Schuld sind der plötzliche Wärmeschub und die Luftverschmutzung. Diskutieren Sie mit uns. mehr ... Ihr Forum

Birken bilden die Allergie-auslösenden Stoffe, wenn sie gestresst sind

Doch nicht nur der plötzliche Wärmeschub in der Natur macht Menschen mit Heuschnupfen den Beginn der Pollensaison besonders schwer. Die Pollen werden offenbar auch aggressiver. Denn die Luftverschmutzung lässt den Gehalt an Allergie-auslösenden Stoffen in den Pollen wachsen. "Bet v 1" heißt das Molekül aus Birkenpollen, das die Blüte der Bäume für viele Menschen so unerträglich macht: Ihre Immunzellen reagieren auf dieses Molekül, als wäre es ein übler Feind, gleich hinter Grippeviren und Ebola. Die laufende Nase und juckende Augen sind nur die Kollateralschäden dieses Kampfes.

Doch Birken bilden Bet v 1 vor allem dann, wenn sie gestresst sind. Wohl deshalb macht Luftverschmutzung die Pollen aggressiver: Die Pflanzen reagieren gestresst auf den Dreck in der Luft und bilden mehr Bet-v-1. "Staubpartikel scheinen die Freisetzung von Allergenen in den Pollen zu erhöhen", sagt Claudia Traidl-Hoffmann, Inhaberin des Lehrstuhls für Umweltmedizin an der TU München und eine der führenden Expertinnen auf diesem Gebiet. Auch deshalb ist der Gehalt an Allergenen in Städten zuletzt stark angewachsen.

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Allergien - Haselnuss-Pollen

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