Herz-Kreislauf-Erkrankungen Blutgruppe beeinflusst Herzinfarkt-Risiko

Menschen mit der Blutgruppe AB haben offenbar ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Auch Träger der anderen Blutgruppen unterscheiden sich einer statistischen Analyse zufolge in der Anfälligkeit für den Infarkt.

Wie hoch das Herzinfarkt-Risiko eines Menschen ist, hängt auch von seiner Blutgruppe ab. Das zeigt eine Studie US-amerikanischer Forscher mit fast 90.000 Teilnehmern. Demnach sind Träger der seltenen Blutgruppe AB am stärksten gefährdet. Menschen mit den Blutgruppen A oder B seien ebenfalls etwas anfälliger für eine Verstopfung der Herzkranzgefäße, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Arteriosclerosis, Thrombosis and Vascular Biology (doi:10.1161/ATVBAHA.112.248757).

Für ihre Untersuchung hatten die Forscher der Harvard School of Public Health Daten der US-amerikanischen Nurses Health Studie und der Health Professionals Studie ausgewertet. Im Rahmen dieser Erhebungen wurde der Gesundheitszustand und Lebensstil von 62.073 Frauen und 27.428 Männern über 20 Jahre hinweg verfolgt. Die Wissenschaftler prüften in den Daten, ob es blutgruppenbedingte Unterschiede in der Anzahl der Herzinfarkte bei den Probanden gab. Andere Risikofaktoren wie Ernährung, Alter, Gewicht oder das Rauchen wurden in den Vergleichen berücksichtigt.

Die Auswertung ergab, dass Probanden mit der Blutgruppe 0 am seltensten einen Herzinfarkt erlitten. In Deutschland gehören nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes 41 Prozent zu dieser Gruppe. Ihnen gegenüber hatten Träger der Blutgruppen A oder B in der Studie ein fünf beziehungsweise elf Prozent höheres Risiko. Besonders gefährdet seien aber Menschen mit der seltenen Blutgruppe AB, berichten die Forscher. Bei ihnen sei das Infarktrisiko 23 Prozent höher als bei der Blutgruppe 0. Die Blutgruppe AB tragen rund fünf Prozent der Deutschen.

Unterschiede in der Entzündungsneigung

Die Forscher erklärten, sie hätten die biologischen Mechanismen hinter diesen Zahlen noch nicht untersucht. Es gebe aber Hinweise darauf, dass die Blutgruppe A häufig mit einem leicht höheren Gehalt des sogenannten Low-Density-Cholesterins (LDL-Cholesterin) verbunden sei. Dieser Cholesterintyp fördert die Arteriosklerose.

Wie die Wissenschaftler weiter berichten, wird die Blutgruppe AB außerdem mit einer Neigung zu Entzündungen in Zusammenhang gebracht. Es bestehe zudem der Verdacht, dass Blut der Gruppe 0 mehr von einer Substanz enthält, die Verklumpungen verhindert und den Blutfluss erleichtert.

"Die Biologie der Blutgruppen ist sehr kompliziert, daher könnten mehrere Prozesse im Spiel sein", sagt sagt Studienleiter Lu Qi. Sollten sich diese unterschiedlichen Anfälligkeiten bestätigen, könne es sehr hilfreich sein, die eigene Blutgruppe zu kennen: "Ein Mensch kann seine Blutgruppe zwar nicht ändern, aber unsere Ergebnisse könnten dazu beitragen, dass wir in Zukunft besser verstehen, wer ein höheres Risiko für einen Herzinfarkt hat". Denn "dann könnte es sein, dass Menschen mit verschiedenen Blutgruppen auch ganz unterschiedlich auf eine Umstellung der Ernährung reagieren", sagt der Studienleiter. Ein Patient mit der Blutgruppe A müsse dann unter Umständen besonders auf seinen Cholesterinspiegel achten, um Arteriosklerose und Herzinfarkt vorzubeugen.