Hashimoto "Viele Erkrankte leben vollkommen beschwerdefrei"

Eine Hashimoto-Thyreoiditis führt meist zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Die Behandlung ist ein Fall für den Spezialisten.

Von Katrin Neubauer

Der häufigste Auslöser einer Schilddrüsenunterfunktion ist eine Hashimoto-Thyreoiditis. Die Autoimmunerkrankung ist Schätzungen zufolge für rund 90 Prozent aller Unterfunktionen verantwortlich. "Etwa zehn Prozent der Bevölkerung entwickeln im Laufe ihres Lebens diese Autoimmunerkrankung", sagt Reinhold Lunow, Ärztlicher Leiter der Praxisklinik für Diagnostik und Präventivmedizin in Bornheim. Neun von zehn Betroffenen sind Frauen. Der Name der Erkrankung stammt von dem japanischen Arzt Hakaru Hashimoto, der sie erstmals 1912 beschrieben hat.

Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis bildet das Immunsystem Autoantikörper (Tg-AK und TPO-AK), die das Gewebe der Schilddrüse langsam zerstören. Das führt anfangs häufig zu einer leichten Überfunktion, die sich später in eine Unterfunktion kehrt. Allerdings hat die Autoimmunerkrankung nicht in allen Fällen einen Funktionsverlust der Schilddrüse zur Folge. "Einige Betroffenen bleiben trotz Autoantikörper symptomfrei und haben auch normale Werte", so Lunow.

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Müdigkeit, Verstimmungen, Schmerzen

Meist stellen sich jedoch früher oder später die typischen Beschwerden einer Unterfunktion ein wie Müdigkeit, Depressionen, Gedächtnisprobleme, Hautveränderungen. Auftreten können außerdem Gelenk- und Muskelschmerzen, trockene Schleimhäute, Stimmungsschwankungen, Schwindel oder Schwäche.

Warum das Immunsystem Antikörper gegen die Schilddrüse richtet, ist ungeklärt. Neben einer genetischen Veranlagung vermuten Mediziner, dass Infektionen oder starke Jodüberdosierungen den Ausbruch begünstigen können. "Auslöser können außerdem hormonelle Umstellungen, wie Pubertät, Schwangerschaft und Klimakterium sein", sagt Lunow. Bei etwa 25 Prozent der Erkrankten steht eine Hashimoto-Thyreoiditis in Verbindung mit anderen Autoimmunerkrankungen, wie Typ-1-Diabetes, Morbus Crohn, Rheuma, Multipler Sklerose oder Zöliakie.

Zu Beginn kann die Erkrankung durch Antikörper im Blut recht gut erkannt werden. Neun von zehn Betroffenen haben TPO- Antikörper. Tg-Antikörper finden sich bei jedem Zweiten. Im fortgeschrittenen Stadium geht der Spiegel an Autoantikörpern in der Regel zurück und ein Bluttest kann dann negativ ausfallen.

Auffälligkeiten der Schilddrüse zeigt auch eine Sonografie. "Eine gesunde Schilddrüse ist im Ultraschall als ein gleichmäßig hellgraues Organ zu sehen. Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis gleicht es einem Leopardenfell, das von schwarzen Flecken durchsetzt ist", erläutert der Internist. Mitunter ist die Schilddrüse verkleinert.

Beschwerden zählen mehr als Messwerte

"In wenigen Fällen treten auch Symptome auf, ohne dass Antikörper oder Schilddrüsenveränderungen sofort nachgewiesen werden können", sagt Leveke Brakebusch, Gynäkologin in Konstanz mit Spezialisierung auf autoimmune Schilddrüsenerkrankungen.

Die Behandlung einer Hashimoto-Thyreoiditis sollte deshalb vor allem an den Beschwerden ausgerichtet sein und weniger an den Werten. Wie auch andere Formen der Schilddrüsenunterfunktion wird Hashimoto mit dem Schilddrüsenhormon L-Thyroxin behandelt. Es gilt, so Brakebusch: "Geht es Patienten mit schlechten Werten gut, muss auch kein Hormon gegeben werden". Andererseits könnte bei Beschwerden trotz normalen Schilddrüsenwerten eine Hormongabe helfen.

"Das Präparat sollte immer vom selben Anbieter sein, da Medikamente von unterschiedlichen Herstellern trotz des gleichen Wirkstoffs minimale Abweichungen in der Konzentration haben können", sagt Lunow. Manchmal werden die Symptome auch durch die Gabe des zweiten Schilddrüsenhormons T3 besser.

In der Diskussion ist, ob die Substitution mit Selen bei Hashimoto-Patienten sinnvoll sein kann. Selen fördert den Umbau des Speicherhormns T 4 (Thyroxin) in das aktive Hormon T 3. Allerdings gibt es über die Wirksamkeit noch keine verlässlichen Studien. Außerdem wird vermutet, dass zuviel Selen Diabetes auslösen kann.

Hashimoto-Patienten sollten von einem in Hormon- und Autoimmunerkrankungen erfahrenen Arzt betreut werden, rät Brakebusch. Neben der Behandlung mit Tabletten sind bei schweren Verläufen regelmäßige Kontrollen von Gewicht, Blutdruck und Puls sowie der Hormon- und TSH-Werte angezeigt. Das heißt nicht, permanent eine überängstliche Selbstbeobachtung des Körpers zu betreiben. "Viele Erkrankte leben vollkommen beschwerdefrei", so Brakebusch.

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