Gesundheitsrisiko Alkohol Der kleine Schluck zu viel

In kleinen Mengen gelten alkoholische Getränke - insbesondere Wein - als harmlos. Doch schon in geringer Dosis erhöht Alkohol das Risiko für Krebs.

Von Werner Bartens

Ein bisschen Alkohol gilt weithin als harmlos und womöglich gar gesundheitsfördernd. Wer Wein aus ausgewählten Lagen zu sich nimmt, steht im Ruf des Genießers, der zudem etwas für sein Herz tut. In letzter Zeit zweifeln Forscher jedoch an den segensreichen Wirkungen mäßigen Alkoholkonsums.

Forscher zweifeln zunehmend an den segensreichen Wirkungen mäßigen Alkoholkonsums.

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Krebsmediziner um Naomi Allen von der Universität Oxford zeigen im Fachblatt Journal of the National Cancer Institute vom heutigen Mittwoch, dass schon wenig Alkohol das Krebsrisiko erhöht (Bd.101, S.296, 2009). Demnach könnten 13 Prozent der Tumore in Brust, Enddarm, Leber, Speiseröhre und Rachen auf Alkohol zurückgehen - allein in Großbritannien wären das 7000 Krebsfälle jährlich. Mit zunehmendem Alkoholkonsum sind aber auch weniger Tumore der Schilddrüse, Nierenkrebse und Non-Hodgkin-Lymphome zu verzeichnen.

Mehr als 1,28 Millionen Frauen untersucht

Die neuen Belege für die Krebsgefahr durch Alkohol gehen auf eine der größten Studien weltweit zurück. In der Million Women Study wurden 1996 bis 2001 mehr als 1,28 Millionen britische Frauen untersucht. Die meisten Teilnehmerinnen der Studie nahmen täglich ein Glas Alkohol zu sich - eine übliche Menge in westlichen Ländern. Während der siebenjährigen Nachbeobachtungszeit erkrankten fast 70.000 Frauen an Krebs.

Die Forscher ermittelten, dass statistisch unter 1000 Frauen elf Fälle an Brustkrebs, ein Krebs im Rachenraum und ein Enddarmkrebs zusätzlich auftreten, wenn täglich ein Glas Alkohol getrunken wird.

Das Risiko für Krebs der Speiseröhre und des Kehlkopfs stieg überproportional, wenn Frauen rauchten. Insgesamt gehen der Studie zufolge 15 Tumore unter 1000 Frauen auf einen Drink am Tag zurück. "Der Anstieg mag gering erscheinen, aber da Alkohol so verbreitet ist, hat das enorme gesundheitliche Auswirkungen", sagt Naomi Allen.

Das Risiko durch Alkohol bestand unabhängig davon, ob die Frauen Wein, Bier oder andere Spirituosen zu sich nahmen. Die Forscher schätzen, dass in Industrieländern 118 von 1000 Frauen im Laufe ihres Lebens an Krebs erkranken. Obwohl Männer in der Studie nicht untersucht wurden, spricht wenig dagegen, die Ergebnisse auf sie zu übertragen.

Gesunder Alkohol ein Mythos

Michael Lauer und Paul Sorlie von den Nationalen Gesundheitsinstituten der USA fordern in einem Kommentar in der Fachzeitschrift, mit dem Mythos vom gesunden Alkohol aufzuräumen. "Die Botschaft der Studie könnte kaum klarer sein", so die Autoren. "Es gibt keine Alkoholmenge, die als sicher gelten kann."

Im Jahr 2005 hatte Rod Jackson von der neuseeländischen Universität Auckland bereits im Fachblatt Lancet behauptet, dass Alkohol - anders als oft vermutet - keinen schützenden Einfluss auf Herz und Gefäße hat. "In keiner Dosis ist der Nutzen des Alkohols größer als der Schaden", so der Mediziner seinerzeit.

Alkohol könnte mittels verschiedener Mechanismen Krebs auslösen. Leberzellen schädigt er direkt. Er erhöht die Konzentration der Geschlechtshormone im Blut, wodurch Brustkrebs gefördert werden kann. Wenn Raucher trinken, dient Alkohol als Lösungsmittel für Karzinogene im Tabak.