Krankenhaus Stammgast im Krankenhaus

Christiane Meyer-Hochberger (links) und Martina Draxler verbinden im Dritten Orden eine Wunde.

(Foto: Florian Peljak)

Ärzte können anhand von sieben Kriterien vorhersagen, ob ein Patient bald wieder in eine Klinik eingeliefert wird.

Von Werner Bartens

Manche Menschen müssen zeitlebens nur selten ins Krankenhaus - andere sind dort gleichsam Stammgäste. Ärzte ahnen in einigen Fällen bereits bei der Entlassung, dass sie die Patienten schon bald in der Klinik wiedersehen werden. Wie sich besser voraussagen lässt, ob Kranken mit großer Wahrscheinlichkeit die Wiederaufnahme droht oder nicht, hat ein internationales Ärzteteam unter Leitung von Medizinern aus Bern und Harvard erforscht. Im aktuellen Fachmagazin JAMA Internal Medicine (online) beschreiben sie einige der wichtigsten Kriterien.

Ärzte um Jacques Donzé haben typische Anhaltspunkte unter dem Akronym Hospital zusammengefasst, die sich aus der Analyse von fast 120 000 Patientengeschichten aus vier Ländern ergeben haben. Demnach spricht für eine Wiederaufnahme in den nächsten 30 Tagen ein stark erniedrigter Hämoglobin-Wert ebenso wie die Einordnung als onkologischer Patient und ein veränderter Natrium-Spiegel im Blut - das S in Hospital leitet sich von Sodium ab, dem englischen Ausdruck für Natrium.

Aber auch die Art der Eingriffe im Krankenhaus, die Dringlichkeit der Einweisung, die Häufigkeit der stationären Aufnahmen im zurückliegenden Jahr sowie die Länge des letzten Klinikaufenthalts spielen eine wichtige Rolle für die genaue Prognose.

Der Hospital-Score hat drei Vorteile

Für diese sieben Kriterien werden insgesamt Punkte auf einer Skala von 0 bis 13 vergeben und der erreichte Wert bestimmt das Risiko. "Es ist eine komplexe Herausforderung, die Zahl der Wiederaufnahmen zu verringern, weil es jene Patienten zu identifizieren gilt, die besonders davon profitieren würden", sagt Studienleiter Donzé. "Der Hospital-Score hat drei Vorteile: Er lässt sich einfach nutzen, er kann bereits vor der Entlassung berechnet werden und er hat sich in etlichen Untersuchungen gut bewährt."

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In der aktuellen Studie mussten 15 Prozent der Patienten innerhalb von 30 Tagen erneut aufgenommen werden - 9,7 Prozent dieser Wiederaufnahmen hätten allerdings vermieden werden können. Nach dem Hospital-Score wurden bei 62 Prozent ein niedriges, bei 24 Prozent ein mittleres und bei 14 Prozent ein hohes Risiko für eine Wiederaufnahme ermittelt. Patienten mit mehr als sieben Punkten auf der Skala mussten viermal so oft innerhalb eines Monats erneut in die Klinik wie Patienten mit vier Punkten und damit einem geringen Risiko.

"Drehtüreffekt" in der Medizin vermeiden

Mit Hilfe des Hospital-Scores wurden in der aktuellen Studie mehr als 70 Prozent der Patienten identifiziert, bei denen das Risiko für eine unnötige Wiederaufnahme bestand. Diese hohe Trefferquote kann dazu beitragen, dass der gefürchtete "Drehtüreffekt" in der Medizin eben nicht eintritt: Die baldige Rückkehr ins Krankenhaus, droht bei einer sogenannten blutigen Entlassung - wenn also Patienten zu früh nach Hause geschickt werden, obwohl ihre Infektionen oder Wunden noch nicht genügend ausgeheilt sind.

Ein anderer häufiger Grund ist, dass die Anschlusspflege nicht gewährleistet ist. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Krankenhaus von mehr als zwölf Tagen auf nur noch sechs Tage verringert. Das System der Fallpauschalen führt zudem dazu, dass mehrmalige kurze Aufenthalte besser abzurechnen sind als ein längerer, sodass falsche Anreize zur übertrieben schnellen Entlassung bestehen.

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