Prostatakrebs-Studie "Der deutsche Mann lässt sich nicht gerne für eine Studie rekrutieren"

Wie sollte man Prostatakrebs im Frühstadium behandeln? Bestrahlen? Oder besser operieren?

(Foto: dpa)

Was tun bei Prostatakrebs im Frühstadium? Eine groß angelegte Untersuchung soll das klären. Doch das Vorhaben droht zu scheitern.

Von Werner Bartens

Die Enttäuschung ist groß, die Irritation auch. Dabei wäre die Studie grundsätzlich sinnvoll, und die Ärzte in Deutschland könnten endlich zeigen, dass auch sie eine große, relevante klinische Untersuchung im Weltklasseformat auf die Beine stellen können. Zumeist kommen solche Studien aus den USA, Kanada oder Großbritannien. Doch nun sind die Ärzte enttäuscht, wie mau die Beteiligung bisher ist. Undankbar, diese Patienten! Da will man ihre Behandlung verbessern - aber sie machen nicht mit.

Doch der Reihe nach. Im Jahr 2013 wurde an verschiedenen deutschen Unikliniken mit einer großen urologischen Untersuchung, der Prefere-Studie, begonnen. Es geht um die Frage, wie Männer am besten zu behandeln sind, bei denen ein Krebs der Prostata gefunden wird. Kein fortgeschrittener Krebs, sondern einer im Frühstadium, der lokal auf die Vorsteherdrüse begrenzt und wenig entartet ist. Niedrig maligne nennen Ärzte das, weil dieser Krebs nur langsam wächst. Gelegentlich kommt er sogar ganz zum Stillstand und bereitet den Männern manchmal gar keine Beschwerden. Und wenn, dann oft erst Jahre später.

Die Urologen wissen nicht genau, wie sie Patienten mit einem solchen Befund optimal behandeln - und ob eine Therapie überhaupt sinnvoll ist. Es ist daher längst an der Zeit, die vier Behandlungsmöglichkeiten im Vergleich zu untersuchen. Soll die Prostata vollständig entfernt werden? Eine solche radikale Prostatektomie beseitigt den Krebs mit großer Wahrscheinlichkeit. Doch bleiben nach dem Eingriff zwischen zehn und 35 Prozent der Männer inkontinent, impotent oder beides. Die Strahlentherapie von außen ist die zweite Option. Sie ist ähnlich zuverlässig, aber auch ähnlich häufig mit Nebenwirkungen verbunden.

Vier Methoden, welche ist die beste? "Jeder Urologe hat seine Vorlieben"

Etwas neuer ist die dritte Methode, die Bestrahlung durch dauerhaft in der Prostata platzierte, kleine Strahlenquellen. Sie wird als Brachytherapie oder Seed Implantation bezeichnet, weil die Metallkügelchen wie kleine Samenkörner aussehen. Die vierte Option ist weniger handgreiflich, sie erfordert vom Urologen vor allem Zurückhaltung: Aktive Überwachung bedeutet, dass regelmäßig ärztliche Kontrollen stattfinden, die Behandlung aber erst einsetzt, wenn die Erkrankung fortschreitet. Vier Methoden, welche ist die beste?

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"Jeder Urologe hat seine Vorlieben", sagt Michael Stöckle, Chef der Urologie an der Uniklinik Homburg/Saar. "Was einer gut kann und gut macht, das macht er auch häufiger." Allerdings sollte die optimale Behandlung eines Mannes nicht davon abhängen, was dem Arzt gefällt, sondern was Patienten nutzt. Eine Studie, in der alle vier Optionen miteinander verglichen werden, ist überfällig. Unter Beteiligung der Deutschen Krebshilfe, der gesetzlichen wie der privaten Krankenversicherungen wurde daher 2013 die Prefere-Studie begonnen.

25 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. 7600 Männer sollen untersucht, behandelt und bis zum Jahr 2030 beobachtet werden. Die Rekrutierungsphase ist bis 2017 geplant, knapp 2000 Männer müssen dazu jedes Jahr gewonnen werden. Jetzt, im Januar 2016, sind gerade mal etwas mehr als 300 Probanden beteiligt. Nicht im Monat, nicht im vergangenen Jahr, sondern insgesamt. Ein Debakel? Oder eine Überforderung für Ärzte wie Patienten?