Fragwürdige Produkte zum Schutz gegen Strahlung Wie sich mit der Angst vor Elektrosmog Geld verdienen lässt

Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Potenzstörungen und Schlimmeres: Die Liste der Leiden, die angeblich durch Elektrosmog ausgelöst werden, wächst täglich. Also schnell Abschirmmatten oder wenigstens ein schützendes Jutebeutelchen kaufen? Warum diese Produkte blanker Unsinn sind.

Von Sebastian Herrmann

Wenn die Wünschelrute neben dem Bett ausschlägt, dann heißt es gute Nacht. Wer dort im Elektrosmog schlafe, sagen einschlägige Internetseiten, der riskiere schlimmste Folgen: Potenzstörungen! Unfruchtbarkeit! Fehlgeburten! Krebs! Wer redet da noch von Kopfschmerzen, Schwindel, Hautrötungen oder Übelkeit?

Die Liste der Leiden, die angeblich durch elektromagnetische Felder ausgelöst werden, wächst täglich. Sie reicht von diffusen Befindlichkeitsstörungen bis zu gravierenden Leiden und versetzt viele Menschen in Panik. In diesem Umfeld verkaufen Anbieter Produkte, die angeblich vor Elektrosmog schützen und deren einzige Wirkung in der Regel wachsender Wohlstand der Verkäufer ist. Im Umfeld von Alternativmedizin und Esoterik blüht das "Geschäft mit der Angst", wie es die Verbraucherzentralen in einer Stellungnahme nennen.

Selbst große Unternehmen profitieren von der Angst vor unsichtbaren Strahlen. So bietet der französische Kosmetikhersteller Clarins eine Lotion an, mit der besorgte Damen ihre Haut gegen elektromagnetische Felder wappnen sollen.

Die Elektrohandelskette Conrad verkauft "AlphaPrevent"-Aufkleber - zehn Stück zu 99 Euro. Der Hersteller Bicotec alarmiert zur Einstimmung, dass Handys und andere Elektrogeräte das Erdmagnetfeld verzerren könnten. Selbstverständlich mit üblen Folgen. Stoffwechsel, Hormonhaushalt, Gehirnzellen - alles gerate aus den Fugen. Gegen derlei Unbill wirft die Firma ihre Sticker aus "intelligentem Kunststoff" ins Rennen, mit denen irgendwelche Verzerrungen ausgeglichen werden sollen - einfach, indem sie auf Mobiltelefone, Rechner oder Büromöbel geklebt werden.