Fischöl in der Schwangerschaft Viel beworben - kaum bewährt

Fischöl in der Schwangerschaft soll den Nachwuchs gesünder, intelligenter und schlanker machen. Eine Münchner Studie weckt neue Zweifel an den Verheißungen.

Von Berit Uhlmann

Es wäre eine wahre Wunderkapsel, wenn denn stimmen würde, was viele werdende Mütter von ihr erwarten: Fischölkapseln sollen nicht nur Frau und Kind vor Komplikationen in der Schwangerschaft schützen, sondern auch den Nachwuchs langfristig schlanker, gesünder und intelligenter machen. Im Raum München greifen über 40 Prozent der Schwangeren zu derartigen Präparaten, ergab eine Befragung der Technischen Universität München.

Nehmen Frauen Fischöl ein, kommen ihre Kinder im Schnitt einige Tage später zur Welt. Schlanker sind sie jedoch nicht.

(Foto: dpa/dpaweb)

Doch zunehmend mehren sich Zweifel an der Wirkung des Fischöls. Eine neue Studie der TU München zerstreut nun die die Hoffnung, Fischöl könne einen positiven Einfluss auf das Gewicht des Kindes haben.

Tierversuche hatten Hinweise darauf gegeben, dass die in Fischöl enthaltenen Omega-3-Fettsäuren die Entwicklung von Fettgewebe beim Nachwuchs bremsen können. Das Team um den Münchner Ernährungsmediziner Hans Hauner untersuchte daraufhin mehr als 200 schwangere Frauen, die entweder gezielt Omega-3-Fettsäuren in Form von Fischölkapseln und Fischmahlzeiten zu sich nahmen oder ihre Ernährungsgewohnheiten beibehielten. Nach der Entbindung vermaßen die Forscher ein Jahr lang regelmäßig das Fettgewebe der Babys. Einen Unterschied zwischen den zwei Gruppen konnten sie nicht feststellen.

"Leider werben die Hersteller und Vertreiber der Produkte gerade bei Schwangeren hemmungslos", sagt Hauner. Dabei halten auch viele der anderen postulierten Vorzüge des Fischöls einer kritischen Überprüfung nicht stand. Die für ihre wissenschaftliche Exaktheit bekannte Forschervereinigung Cochrane Collaboration kann weder ein vermindertes Risiko einer Schwangerschaftsvergiftung noch eine geringere Gefahr von Wachstumsstörungen des Unbeborenen erkennen. Auch positive Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung des Nachwuchses stellten die die Forscher nicht fest. Eine große australische Studie mit über 2000 Frauen kam zum gleichen Ergebnis. In dieser Studie wurde zugleich untersucht, ob Frauen mit hohem Fischöl-Konsum besser vor Kindbettdepressionen geschützt sind. Auch diese Annahme konnte nicht bestätigt werden.

Nach Angaben von Hauners Team ist auch eine Schutzwirkung des Fischöls vor kindlichen Allergien nicht sicher. Eine erwiesene Wirkung habe das Nahrungsergänzungsmittel dagegen auf die Dauer der Schwangerschaft. Frauen, die Fischöl einnahmen, verlängerten damit ihre Schwangerschaft um einige Tage. Ihre Kinder hatten im Schnitt ein höheres Geburtsgewicht. Dies sei nicht zwangsläufig positiv zu bewerten, denn schwerere Kinder steigern das Risiko von Komplikationen während der Geburt.

Der überzeugendste Effekt des Fischöls ist wohl, dass es die Rate extremer Frühgeburten senken kann. Mütter, die Fischöl einnahmen, brachten deutlich weniger Kinder vor der 34. Schwangerschaftswoche zur Welt als Mütter, die auf das Ergänzungsmittel verzichteten. Hinweise, dass die zusätzliche Einnahme von Fischöl schaden könne, gibt es nicht.

Dennoch resümiert Hauner, eine generelle Empfehlung für Fischöl-Kapseln in der Schwangerschaft lasse sich nicht vertreten. Er empfehle werdenden Müttern lediglich ein bis zweimal pro Woche Fisch zu essen. Nur wer absolut keinen Fisch mag, könne Fischöl in niedriger Dosierung einnehmen.