Feinstaubbelastung Dicke Luft

Anfang April waren die Feinstaubwerte in Deutschland besonders hoch

(Foto: Umweltbundesamt)

Bereits im Frühling haben zahlreiche deutsche Kommunen die Grenzwerte für Feinstaub immer wieder überschritten. Was das Wetter damit zu tun hat, wie die Gesundheit unter Feinstaub leidet und was die Politik tun kann - die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Christoph Behrens

Wie hoch ist die Feinstaubbelastung aktuell?

Die Feinstaubwerte sind seit Jahresbeginn regelmäßig über den erlaubten Grenzwert geschnellt. Die EU erlaubt 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft. Kommunen dürfen diesen Wert bis zu 35 Mal im Jahr überschreiten. Sechs Messstationen in Deutschland haben dieses Limit bereits fast erreicht. Am schlimmsten ist die Belastung derzeit in Berlin: An der Silbersteinstraße in Neukölln stiegen die Messwerte bereits an 33 Tagen über den erlaubten Wert.

Auch im Osten sieht es nicht viel besser aus: Frankfurt an der Oder, Leipzig, Halle, Chemnitz und Cottbus dürften die erlaubten 35 Tage locker überschreiten. An der Landshuter Allee in München zählten die Techniker dagegen erst 16 Überschreitungen. Das kann jedoch im Jahresverlauf schnell steigen.

Überschreiten Kommunen zu häufig den Grenzwert, so sind sie verpflichtet, weitere Maßnahmen zu ergreifen, etwa bestehende Umweltzonen zu verschärfen.Tun sie das nicht, könnte die EU-Kommission als äußerstes Mittel ein Vertragsverletzungsverfahren anstrengen und Bußgelder verhängen.

Die Situation kann sich wetterbedingt sehr schnell ändern, wie Karten des Umweltbundesamts zeigen. Anfang April lag die Feinstaubbelastung in weiten Teilen Deutschlands deutlich über der 50-Mikrogramm-Schwelle, aktuell entspannt sich die Lage wieder.

Was sind die Ursachen der hohen Feinstaubwerte der letzten Monate?

Marcel Langner vom Umweltbundesamt (UBA) nennt die Feinstaubbelastung "relativ ungewöhnlich" für Winter und Frühling. Verantwortlich für die hohen Werte der letzten Wochen sei vor allem das Wetter gewesen. Besonders Hochdruckwetterlagen begünstigten die Ansammlung des Feinstaubs in Bodennähe. "Diese Wetterlagen legen sich wie ein Deckel auf die bodennahen Luftschichten", sagt Langner. "Das hält den Feinstaub wie eine Glocke fest." Auch bestimmte Wetterphänomene wie Saharastaub tragen zur Feinstaubbelastung bei, seien aber nicht so bedeutsam.

Der Osten Deutschlands bekomme wegen der Nähe zu Polen und Tschechien wohl mehr Feinstaub ab, vermutet der Aerosolforscher Alfred Wiedensohler. "Dort wird im Winter viel mit Holz und Kohle geheizt, diese Luftmassen können auch nach Deutschland ziehen", sagt der Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung in Leipzig.

Wer sind die größten Verursacher der Emissionen?

Verkehr, Industrie, Heizungen und die Landwirtschaft sind für den Löwenanteil des Feinstaubs verantwortlich. "Aber die Emissionen sinken bei allen Schadstoffen durchgehend", sagt UBA-Experte Langner. Besonders im Straßenverkehr sei die Abgasbelastung wegen verschärfter Normen in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Auch die neue Abgasnorm "Euro 6" könnte die Belastung durch Autoabgase weiter reduzieren.

Der SZ-Feinstaub-Atlas

Die Gefahr ist kleiner als 0,01 Millimeter und gerade deshalb so tückisch: Feinstaub schadet der Gesundheit. Seit Jahren sind in vielen Orten Deutschlands die gemessenen Werte zu hoch. Unsere Karte zeigt, wie hoch die Feinstaubbelastung wirklich ist und welche Regionen besonders betroffen sind. mehr...

Sorgen macht den Experten dagegen zunehmend die Landwirtschaft. Denn Ammoniak aus Gülle gelangt als Gas in die Atmosphäre und reagiert dort zu sekundärem Feinstaub, der sich dann verteilt. Das Umweltbundesamt verlangt deshalb strengere Auflagen. Es sollten etwa Verfahren eingesetzt werden, um Dünger direkt in den Boden einzubringen, sodass er nicht verdampfen kann. Das UBA schlägt zudem eine Art Abgasfilter für Ställe vor. "Wir können nicht erkennen, dass da viel passiert", sagt Langner, "da beißen wir bei der Landwirtschaft auf Granit." Hilfe könnte aus Brüssel kommen: Die EU-Kommission möchte die Ammoniak-Emissionen bis 2030 um 39 Prozent senken.