Erste Hilfe Falsche Zurückhaltung

Je früher Patienten mit Herzstillstand Hilfe bekommen, umso besser sind ihre Überlebenschancen. Wichtiger als eine Mund-zu-Mund-Beatmung ist eine Herz-Druck-Massage. Die Maßnahme rettet Leben - auch wenn Laien sie machen.

Von Felix Hütten

Wissenschaftler aus Japan und den USA möchten Ersthelfer ermutigen, bei Patienten mit Herzstillstand sofort mit einer Reanimation zu beginnen. Die Forscher haben in zwei Studien mehr als tausend Fälle von Patienten mit plötzlichem Herzstillstand außerhalb von Krankenhäusern ausgewertet. Das Ergebnis: Je früher ein Patient eine Herz-Druck-Massage bekommt, desto höher sind seine Überlebenschancen. Etwa 200 000 Menschen sterben jährlich in den USA einen plötzlichen Herztod - und viele dieser Menschen könnten gerettet werden, schreiben die Wissenschaftler im Journal of the American Medical Association.

"Die Daten zeigen, dass frühe Hilfe entscheidend ist", sagt die Studienautorin Carolina Malta Hansen vom Duke Clinical Research Institute. Die Kombination aus früher Hilfe durch Laien und einem schnellen Eintreffen der Rettungskräfte verhindere Gehirnschäden und erhöhe die Überlebenschance des Patienten.

Die Studien zeigen auch, dass tatsächlich immer mehr Helfer frühzeitig eingreifen und dabei häufig einen Defibrillator benutzen. Das Gerät versetzt dem Patienten einen Stromschlag, der die Herzmuskelzellen bei einem Kammerflimmern wieder in Takt bringt. Solche Defibrillatoren sind in vielen U-Bahn-Stationen und Kaufhäusern öffentlich zugänglich und ausdrücklich für Ersthelfer gedacht, die sich vor Eintreffen des Rettungsdienstes um einen Patienten kümmern.

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Damit noch mehr Laien im Notfall eingreifen, möchten die Wissenschaftler den Menschen eine Angst nehmen: Die Mund-zu-Mund-Beatmung sei gar nicht so wichtig wie oft angenommen. Viel entscheidender ist eine Herz-Druck-Massage. Als optimaler Takt gelten dabei 100 Bewegungen pro Minute, aber Ärzte und Rettungssanitäter wissen auch: Alles was Ersthelfer tun, ist besser als einfach dazustehen.

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