Ernährungsstudien Gewichtiger Einfluss der Getränkeindustrie

Seit Jahren wird darüber gestritten, wie schädlich Süßgetränke für die Figur sind.

Machen Limonaden nun dick oder nicht? Die Antwort hängt ganz davon ab, welche Studie man heranzieht - und wer sie finanziert hat.

Von Sebastian Herrmann

Die Welt steckt voller Übel und voller Ungewissheiten. Für Limonaden, Cola und andere Zuckerbrause gilt beides: Die süßen Getränke gelten als schädlich, sie sind insbesondere als Dickmacher verschrien. Ob das aber wirklich so ist, das scheint nicht ganz gewiss.

Manche Studien identifizieren den Konsum von Limonaden als wichtigen Faktor, der Übergewicht oder gar Fettleibigkeit begünstigt. Die Autoren anderer Untersuchungen winken ab und geben eher Entwarnung. Wie kann das sein, sind Limonaden nun Dickmacher? Und woher rührt diese Ungewissheit?

Forscher der spanischen Universität Navarra und des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke (DIfE) geben eine mögliche Antwort: Wenn Wissenschaftler in einem Interessenkonflikt stecken, weil sie oder ihre Studie von der Getränkeindustrie finanziert werden, dann fällt ihr Ergebnis auch eher im Sinne der Limonadenhersteller aus. Das berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Plos Medicine.

Das Team um Maira Bes-Rastrollo wertete sämtliche Übersichtsarbeiten aus, die in den vergangenen Jahren zum Thema Gewichtszunahme und Limonadenkonsum erschienen sind. Der Einfluss einer Finanzierung durch die Lebensmittelindustrie zeigte sich dabei deutlich.

Mehr als 80 Prozent dieser Arbeiten kamen zu dem Ergebnis, dass stark zuckerhaltige Getränke kein besonderes Problem darstellten. Gaben die Autoren der nun ausgewerteten Arbeiten hingegen keinen Interessenkonflikt an, ergab sich ein beinahe spiegelverkehrtes Bild. Ebenfalls mehr als 80 Prozent dieser Studien kamen zu dem Ergebnis, dass ein hoher Konsum von stark gezuckerten Getränken direkt mit einer Gewichtszunahme oder Übergewicht in Zusammenhang steht.