Ernährung in der Schwangerschaft Für Zwei essen?

Heute wird keiner werdenden Mutter mehr geraten, möglichst kräftig zuzulangen. Es gibt aber einige Lebensmittel, die in der Schwangerschaft empfehlenswert, und andere, die riskant sind.

Ein Überblick. Von Berit Uhlmann

Wieviel soll ich in der Schwangerschaft essen?

In den ersten drei Schwangerschaftsmonaten hat die Mutter einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen, nicht aber an Energie. Deshalb sollten werdende Mütter sich vitamin- und mineralstoffreich, aber möglichst fettarm ernähren. Das heißt, sie sollten mehr Obst, Gemüse, Kartoffeln, Vollkorn- und Milchprodukte verzehren, aber kalorienreiche Lebensmittel wie Süßigkeiten nach Möglichkeit meiden.

Ab dem vierten Monat erhöht sich der Energiebedarf um etwa 300 Kilokalorien. Dies entspricht in etwa einem Früchtemüsli oder Käsebrot zusätzlich. Viel ist das nicht. Der alte Rat, Schwangere sollten für Zwei essen, ist längst überholt.

Heute weiß man, dass eine übermäßige Gewichtszunahme für Mutter und Kind Risiken birgt. Zu den Gefahren gehört der Schwangerschaftsdiabetes, der wiederum das Risiko einer Schwangerschaftsvergiftung erhöht. Außerdem verursacht die Zuckerkrankheit oft ein hohes Geburtsgewicht des Kindes, das Komplikationen während der Entbindung oder einen Kaiserschnitt zur Folge haben kann. Auch die Langzeitfolgen sind nicht zu unterschätzen. Zwar normalisiert sich der Zuckerspiegel der erkrankten Frauen nach der Entbindung meist wieder, doch die Gefahr, im späteren Leben erneut Diabetes zu entwickeln, ist erhöht. Die Kinder haben ein größeres Risiko, später an Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten zu leiden.

Gibt es Lebensmittel, die in der Schwangerschaft besonders zu empfehlen sind?

Schwangere sollten etwa dreimal pro Woche gebratenes Fleisch essen. Dies beugt einem Eisenmangel vor. Etwa zehn bis 20 Prozent aller Schwangeren leiden an einer Eisenmangelanämie, bei Vegetarierinnen ist das Risiko besonders hoch.

Auch fetter Seefisch ist für Schwangere empfehlenswert: "Damit schlägt man drei Fliegen mit einer Klappe", sagt Gerhard Rechkemmer, Präsident des Max Rubner-Instituts für Ernährung und Lebensmittel. Denn der Fisch enthält Omega-drei-Fette, Jod sowie Vitamin D, die für eine komplikationslose Schwangerschaft von Bedeutung sind.

Für den Knochenaufbau des Kindes ist darüber hinaus Calcium wichtig. Deshalb sollten Schwangere täglich zu Milch- und Milchprodukten greifen. Ungefähr ein Glas Milch, eine Scheibe Käse und ein Becher Joghurt sind ausreichend.

Welche Lebensmittel sollte ich in der Schwangerschaft meiden?

Schwangere sollten auf Rohmilch und -käse verzichten. Bei diesen Produkten besteht die Gefahr schwerer bakterieller Infektionen. Auch rohes Fleisch ist nicht zu empfehlen. Tatar, Mett oder Carpaccio können Toxoplasmose-Erreger enthalten. Während eine Infektion beim Erwachsenen meist unbemerkt verläuft, kann sie zu schweren Schäden des Ungeborenen oder Fehlgeburten führen. Frauen können vorbeugen, indem sie Fleisch gut durchgaren sowie Obst und Gemüse gründlich waschen, da die Erreger auch in Erdresten sitzen können.

Vielen Frauen werden die Toxoplasmose-Erreger ohnehin nicht gefährlich, denn sie haben bereits eine Immunität erworben, die auch das Kind schützt. Ob eine Schwangere immun ist, kann ein Toxoplasmose-Test feststellen. Er wird als so genannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten.

Der IgeL-Monitor, ein Internetplatform zur Beurteilung der Leistungen, bewertet die Untersuchung allerdings negativ. Denn anders als der Name suggeriert, ist es mit einem einmaligen Test meist nicht getan, um Klarheit zu erreichen, müssen weitere Untersuchungen folgen. Und selbst wenn eine Infektion festgestellt wird, ist unklar, ob die Konsequenz - die Einnahme von Antibiota - tatsächlich hilfreich ist.