Erfolg von Diäten "Abnehmen ist eine Lebensaufgabe"

Erfolgloser Kampf gegen die Pfunde: Nur wenige schaffen es, dem Jo-Jo-Effekt einer Diät zu entkommen. Die Psychologin Tanja Legenbauer erläutert die Gründe - und wie man dauerhaft Gewicht verliert.

Interview: Berit Uhlmann

Tanja Legenbauer leitet die Forschungsabteilung der LWL Universitätsklinik Hamm für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Ruhr-Universität Bochum. Ein Schwerpunkt ihrer Forschung ist die Behandlung von Übergewicht. Als Mitarbeiterin der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Bochumer Universität leitete sie in Zusammenarbeit mit Stephan Herpertz die vom Bundesforschungsministerium geförderte "Essen-Bochum Obesity Treatment Study" (EBOTS), die die Abnehm-Erfolge von schwer übergewichtigen Personen erfasst.

Süddeutsche.de: Wie viele Menschen schaffen es, dauerhaft abzunehmen?

Tanja Legenbauer: In unserer Studie haben nach einem einjährigen Abnehmprogramm zwei Drittel der Versuchsteilnehmer deutlich an Gewicht verloren: im Schnitt 21 Kilogramm. Doch nach drei Jahren hatten von ihnen nur noch 28 Prozent ein wesentlich geringeres Gewicht als vorher. Dieses Ergebnis deckt sich auch mit anderen Studien, wonach es nur 20 bis 30 Prozent der Versuchspersonen schaffen, dauerhaft mindestens fünf Prozent ihres Körpergewichts abzunehmen.

Süddeutsche.de: Was entscheidet über den Erfolg einer Diät?

Tanja Legenbauer: Erfolg beim Abnehmen haben die Menschen, die realistische Erwartungen hegen und ihr eigenes Verhalten gut kontrollieren können. Menschen mit geringer Selbstkontrolle haben es dagegen schwerer. Negativ wirkt sich auch aus, wenn jemand schon viele Diäten ausprobiert hat. Studien haben gezeigt, dass die Erfolgsaussichten umso schlechter sind, je mehr erfolglose Diäten der Betroffene hinter sich hat.

Süddeutsche.de: Woran liegt das?

Tanja Legenbauer: Vermutlich sind zwei Gründe verantwortlich: Wer bereits mehrfach erfolglos war, dem fehlt das Vertrauen in sich selbst. Das senkt die Motivation. Zum anderen scheinen häufige Diäten die Regulation von Hunger und Sättigung zu stören und den Stoffwechsel ungünstig zu beeinflussen. Der berühmte Jo-Jo-Effekt greift dann besonders schnell. Sicher ist: Die Diäten à la "fünf Kilo in fünf Tagen verlieren" funktionieren nicht. Je schneller jemand abnimmt, desto schneller hat er das Gewicht wieder drauf.

Süddeutsche.de: Wie lange sollte man für das Abnehmen realistischerweise einplanen?

Tanja Legenbauer: Klassische Abnehmprogramme mit sogenanntem multimodalem Ansatz berücksichtigen die drei Komponenten Ernährung, Bewegung und Verhaltensveränderung. Sie dauern ein Jahr. Danach beginnt die kritische Phase. In unserer Studie war das Ende des Abnehmprogramms der Zeitpunkt, an dem die meisten wieder begonnen haben, zuzunehmen. Nach drei bis fünf Jahren - so zeigen auch international vergleichbare Studien - hat die Mehrzahl der Abnehmer wieder ihr Ausgangsgewicht. Wer allerdings diesen Zeitraum ohne größere Gewichtszunahme überstanden hat, kann zuversichtlich sein. Dann sind ihm die neuen Essgewohnheiten in Fleisch und Blut übergegangen und die Chance, dass er das Gewicht für immer hält, ist groß.