Entwicklungspolitik Glückliche Kinder kurbeln die Wirtschaft an

Eine gute Kinderbetreuung ist offenbar auch wirtschaftlich sinnvoll.

(Foto: Florian Peljak)

Das haben jetzt auch Entwicklungspolitiker der G-20-Staaten erkannt. Doch es macht wütend, wenn erst die Aussicht auf Profit dazu führt, dass sie gegen das Elend vorgehen.

Kommentar von Astrid Viciano

Manchmal muss man erst über Profit reden, um Kinder aus ihrem Elend zu befreien. Das hat auch die entwicklungspolitische Arbeitsgruppe der G-20-Staaten erkannt und die frühkindliche Entwicklung als Schwerpunkt auf ihre Agenda gesetzt, zum allerersten Mal. Unter der Regie Argentiniens betonten die Strategen auf ihrer Tagung in dieser Woche, wie lohnenswert es für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes sei, in eine positive Gestaltung der frühen Kindheit zu investieren.

Für jeden in qualitativ hochwertige Programme für diesen Lebensabschnitt investierten Dollar sollen Schätzungen zufolge später zwischen sechs und 17 Dollar in die Ökonomie des Landes zurückfließen. Ein attraktives Argument für Staatenlenker - und eine herausragende Chance für Kinder, denen damit eine bessere Zukunft ermöglicht wird.

Sorgen um den Profit wecken Interesse an Problemen, die Priorität haben sollten

Längst haben Neurowissenschaftler nachgewiesen, wie wichtig eine gesunde Entwicklung vor allem in den ersten beiden Lebensjahren für die Zukunft eines Menschen ist. Beispiele wie jenes der rumänischen Waisenkinder unter dem Diktator Nicolae Ceaușescu haben sich vielen Menschen ins Gedächtnis gebrannt.

In dem einzigartigen "Bucharest Intervention Project" beobachteten Forscher, dass die mangelnde Zuwendung und Förderung auch nach Aufnahme in liebevolle Pflegefamilien meist nicht mehr auszugleichen waren. Die früh vernachlässigten Kinder erreichten nur einen unterdurchschnittlichen IQ, viele litten an Verhaltensstörungen, konnten als Erwachsene nur selten ein eigenständiges Leben führen. Daher ist es nur zu begrüßen, wenn die G-20-Arbeitsgruppe nun auf den Einsatz hochwertiger Programme setzt.

Aber natürlich macht es wütend, dass wirtschaftliches Profitdenken über das Schicksal von Menschen entscheidet. Sollte nicht der Anblick menschenunwürdiger Lebensbedingungen ausreichen, um Veränderungen zu bewirken? Tatsächlich muss man offenbar erst den volkswirtschaftlichen Gewinn betonen, um das Interesse an Problemen zu wecken.

Was, wenn man diese irre Logik für weitere Themen anwendet? Man könnte betonen, wie wichtig die Sprachförderung von Flüchtlingskindern ist, weil von einem höheren Bildungsabschluss dieser Menschen auch die deutsche Wirtschaft profitieren kann. Und dass es sich lohnt, die Lebensmittelindustrie zu mehr Verantwortung zu verpflichten, um die Gesundheitskosten als Folge von Übergewicht zu senken. Dass eine gesunde Ernährung im Kindesalter die Lebensqualität steigert, wird dann zur positiven Nebenwirkung. Primär zählen offenbar nur Profit, Profit und Profit. Daher gilt es, laut zu wiederholen: Aufgepasst, glückliche Kinder lohnen sich.

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