Ebola Das Virus ist in Europa angekommen

Mitarbeiter eines Madrider Krankenhauses protestieren, weil sie sich für die Behandlung von Ebola-Patienten nicht ausreichend geschult fühlen.

(Foto: Andrea Comas/Reuters)

Zum ersten Mal hat sich ein Mensch in Europa mit Ebola angesteckt. Bei drei weiteren besteht der Verdacht auf eine Infektion. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus in Spanien ausbreitet, ist winzig. Völlig ausgeschlossen ist es nicht.

Von Kai Kupferschmidt und Thomas Urban

Das tödliche Virus landete in Spanien im Körper eines Priesters, eingepackt in eine Art durchsichtiges Plastikzelt, das Ärzte und Helfer vor der Krankheit schützen soll. Am 22. September war der 69 Jahre alte Missionar Manuel García Viejo nach Spanien geflogen worden, um in der Klinik Carlos III. am Stadtrand von Madrid behandelt zu werden. Er hatte sich in Sierra Leone mit Ebola infiziert.

Zwei Wochen später ist klar, das Virus hat es trotz Sicherheitsvorkehrungen geschafft, sich auszubreiten. Eine Krankenschwester hat sich infiziert. Es ist das erste Mal, dass sich ein Mensch in Europa mit Ebola angesteckt hat.

Nach Angaben der Klinik fühlte sich die Pflegerin bereits am 30. September krank, suchte aber erst nach drei Tagen einen Arzt auf. Es besteht daher die Gefahr, dass sie weitere Personen angesteckt hat. Das Virus wird durch die Körperflüssigkeiten eines Erkrankten übertragen. Mehr als 50 Personen, die in den letzten beiden Wochen Kontakt mit der Erkrankten hatten, stehen nun unter Beobachtung. Bei drei Menschen besteht ein Verdacht auf Ansteckung, sie werden in der Klinik in Madrid beobachtet.

Ausbruch in Europa nicht mehr ausgeschlossen

"Die Wahrscheinlichkeit, dass so ein Fall in Europa zu einem Ausbruch führen könnte, ist winzig. Aber sie ist nicht null", sagt Jeremy Farrar, ein britischer Forscher, der seit vielen Jahren die Ausbreitung von Infektionskrankheiten untersucht. Der Fall zeige, dass es selbst in Europa schwierig sei, Infektionen mit dem Erreger völlig zu verhindern. "Da muss alles perfekt funktionieren, von dem Augenblick an, wo jemand erste Symptome zeigt", sagt er. Das mache auch deutlich, wie unglaublich schwer der Kampf gegen Ebola in Westafrika sei.

Das Ebolavirus breitet sich seit mehr als neun Monaten in den Staaten Guinea, Liberia und Sierra Leone aus. Laut Weltgesundheitsorganisation haben sich dort mindestens 7470 Menschen mit dem Erreger infiziert, 3431 von ihnen sind inzwischen gestorben.

In Wirklichkeit dürften die Zahlen aber sehr viel höher sein. Ebolapatienten haben den Erreger in den letzten Monaten bereits nach Nigeria und Senegal und zuletzt in die USA getragen, nach Dallas, Texas. Der Patient in Senegal hat keine weiteren Menschen angesteckt und auch der Ausbruch in Nigeria, bei dem sich 20 Menschen angesteckt hatten, ist offenbar unter Kontrolle.