Studie E-Zigaretten: Manche Aromen können gefährlich sein

Die Aromen in E-Zigaretten können schädlich sein.

(Foto: imago/juni art)
  • Eine Studie hat die Aromen untersucht, die E-Zigaretten zugesetzt werden dürfen.
  • Die 49 getesteten Zusätze gaben unterschiedlich große Schadstoffmengen frei.
  • Diese können die Atemwege reizen und das Immunsystem beeinträchtigten.
Von Hanno Charisius

Die Geschmacksstoffe, die elektronischen Zigaretten zugesetzt werden, könnten gesundheitsschädlicher sein, als die Raucher glauben. Darauf weisen inzwischen einige Studien hin. Jüngst warnte eine amerikanische Forschergruppe vor sogenannten freien Radikalen, das sind Molekülbestandteile, die mit Zellen reagieren und deren Vermehrung sowie den Stoffwechsel beeinträchtigen können.

Das Team um den Biochemiker John Richie von der Pennsylvania State University hatte verschiedene Aromastoffe daraufhin untersucht, welche Mengen von freien Radikalen sie produzieren, wenn sie in einer handelsüblichen E-Zigarette verdampft werden. Im Fachjournal Free Radical Biology and Medicine berichten die Forscher nun, dass bei den 49 getesteten Aromen tatsächlich unterschiedlich viele freie Radikale entstehen.

Die aggressiven Verbindungen könnten an der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma, Parkinson, Diabetes, Lungen- und Darmkrebs beteiligt sein. Bei Versuchstieren verursachten freie Radikale aus E-Zigaretten Entzündungen in den Atemwegen und beeinträchtigten die Immunantwort. Wie jedoch konkret die Mengen der freien Radikale mit Gesundheitsrisiken zusammenhängen, kann John Richie derzeit nicht erklären. "Wir wissen es nicht. Wir wissen aber, dass sie sehr reaktionsfreudig sind, für oxidativen Stress sorgen und Bestandteile der Zelle angreifen." Deshalb seien die gefundenen Mengen bedenklich.

Es könnte Geschmacksrichtungen geben, die weniger Schaden anrichten als andere

"Derzeit werden viele Studien zu möglichen Gesundheitsschäden von E-Zigaretten durchgeführt", sagt Katrin Schaller von der Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Weil bislang Standardverfahren fehlen, messe jede Arbeitsgruppe auf ihre Weise, weshalb die Ergebnisse schwer miteinander zu vergleichen seien. Doch sie begrüßt die Versuche: "Es ist gut, dass es diese Untersuchungen gibt, denn es heißt immer, die Aromen in E-Zigaretten seien harmlos, weil sie als Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen sind."

Mehr als 8000 solcher Aromen können den Liquids zugesetzt werden, die in E-Zigaretten zusammen mit Nikotin verdampfen. Für orale Aufnahme über Nahrung seien diese Stoffe zugelassen und unbedenklich, sagt Schaller. "Wir wissen aber nicht, was bei den Aromen passiert, wenn sie erhitzt und inhaliert werden. Bei inhalativer Aufnahme können sie sich aber anders verhalten als bei der Aufnahme über den Mund und den Magen-Darm-Trakt."

Schaller gibt auch zu bedenken, dass die Aromen nicht die einzigen möglichen Schadstoffe in E-Zigaretten sind. In einer früheren Untersuchung hatte John Richies Team gezeigt, dass bereits beim Erhitzen der Grundsubstanz Propylenglykol, mit der die Aromen und das Nikotin vermischt werden, freie Radikale entstehen. Außerdem reizt es die Atemwege. Daneben können nach Auskunft des DKFZ je nach E-Zigarettentyp weitere schädliche Substanzen wie Formaldehyd, Acetaldehyd oder Metalle im Dampf enthalten sein.

Überraschenderweise zeigte sich in Richies jüngster Untersuchung, dass es auch Aromen gibt, die zu einer Reduktion der freien Radikale im Dampf führen. Richie vermutet deshalb, es könne Geschmacksrichtungen geben, die weniger Schaden anrichten als andere. Katrin Schaller sieht darin keinesfalls eine Entwarnung für E-Zigaretten, die zwar wahrscheinlich deutlich weniger schädlich seien als Tabakzigaretten, aber auch "keine harmlosen Lifestyleprodukte". Die Arbeit von Richies Team lege den Schluss nahe, "dass es sinnvoll sein kann, bestimmte Aromen zu verbieten, weil sie das Gefahrenpotenzial von E-Zigaretten unnötig erhöhen." Harmlos würden die Dampfgeräte aber auch dadurch noch lange nicht.

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