E-Zigaretten Wie effektiv sind E-Zigaretten bei der Raucherentwöhnung?

Komplizierter wird es bei der Frage, wie effektiv E-Zigaretten bei der Raucherentwöhnung helfen. Die Cochrane-Stiftung kommt zum Ergebnis, nikotinhaltiger Dampf könne wahrscheinlich das Aufhören erleichtern oder zumindest die tägliche Anzahl an Zigaretten reduzieren. So qualmte jeder zweite Teilnehmer einer italienischen Studie nach 24 Wochen E-Zigaretten-Konsums nur noch die Hälfte der üblichen Anzahl Zigaretten. Christoph Kröger vom Institut für Therapieforschung befragte über 600 Teilnehmer eines Raucherentwöhnungsprogramms und hält Nikotinpflaster für deutlich wirksamer. Allerdings wertete Kröger in der Studie auch nur vollständige Abstinenz als Erfolg. Zudem bemängelte er, dass Dampfer von Therapieleitern häufig keine gezielte Hilfestellung bekämen. Das weist eher darauf hin, dass viele Fachleute die E-Zigarette aus prinzipiellen Gründen ablehnen, was Tester entmutigen könnte.

Mit Dampf zur Abstinenz?

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"Es ist leider ein tiefer Graben zwischen Befürwortern und Gegnern entstanden", sagt Medizinethiker Shaw. Diese Uneinigkeit verunsichert viele Raucher und nutzt derzeit vor allem der Tabakindustrie, also dem gemeinsamen Gegner der Anti-Tabak-Aktivisten. Lange dominierten kleine Hersteller den jungen Markt für E-Zigaretten, viele sahen sich als Vorkämpfer gegen die mächtige Tabaklobby. Big Tobacco stand dem Boom dagegen wie gelähmt gegenüber, fürchtete eine ernsthafte Gefährdung seines Kerngeschäfts mit Zigaretten. Doch mittlerweile haben sich die Großen gefangen, Konzerne wie Philipp Morris investieren nun selbst Milliarden in neue Dampfgeräte, was Gesundheitsexperten misstrauisch macht. Denn die Zigarettenindustrie dürfte nach Wegen suchen, die Sucht auf andere Weise zu stabilisieren, anstatt Raucher davon zu befreien.

Doppeltes Spiel der Tabak-Industrie

Dafür spricht, dass die Industrie vor allem sogenannte "Cigalikes" anpreist. Das sind recht kleine Dampfgeräte, die wenig Nikotin enthalten und fast so aussehen wie herkömmliche Tabakzigaretten. Auf Foren berichten Anwender davon, dass dieser Typ den Umstieg erschwert, weil er das Gefühl des Rauchens nachahmt. "Leistungsschwach, umweltbelastend, teuer, nicht oder weniger oft aufladbar und fertig befüllt, von Firmen, denen wir nie wieder über den Weg trauen wollten, weil sie uns jahrelang in Abhängigkeit gehalten haben", beschwert sich ein ehemaliger Raucher, der komplett aufs Dampfen umgestiegen ist, über die Cigalikes.

Im Fachblatt Nicotine & Tobacco Research pflichten Wissenschaftler vom King's College London dieser Sicht bei. Eine Langzeitbefragung britischer Raucher ergab, dass der Typ des Dampfgeräts einen großen Unterschied macht, ob der Umstieg gelingt. Nutzer von "Tanks" - dies sind Geräte mit größeren, wieder befüllbaren Behältern - schafften es deutlich häufiger, von Zigaretten wegzukommen, als Cigalike-Dampfer. Diese Unterschiede verschwimmen in der Diskussion oftmals, während die Tabakindustrie etwa in den USA schon danach ruft, Tanks stärker zu regulieren als die eigenen Produkte.

Stärkere Einschränkungen für E-Zigaretten

Diese Rufe werden immer häufiger von Politikern gehört. So sollen mit der Umsetzung der neuen EU-Tabakrichtlinie Mitte 2016 E-Zigaretten in Deutschland deutlich strenger reguliert werden als bislang. Als positiv bewerten viele Experten, dass E-Zigaretten künftig nicht mehr in die Hände Jugendlicher gelangen dürfen - die Sorge, das "Dampfen" könne zum Einstieg in die Nikotinsucht werden, dürfte mit der Altersgrenze an Bedeutung verlieren. Daneben soll es höhere Qualitätsvorschriften und Werbeverbote geben.

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"Das beschränkt E-Zigaretten deutlich stärker als normale Zigaretten", findet Peter Hajek. Viele kleinere Marken könnten mit diesen Hürden aus dem Markt gedrängt werden, die Tabaklobby dagegen profitieren, fürchtet Hajek. "Wenn man eine Innovation davon abhält, sich zu vermarkten, stärkt man nur das existierende Produkt." Jean-François Etter von der Universität Genf warnt davor, die Tabakindustrie könnte bald in der Position sein, "den Markt zu erdrosseln". Das Zeitfenster, um elektronische Zigaretten als wirksame Waffe zur Schadensbegrenzung gegen Tabak einzusetzen, könnte sich somit wieder schließen.

"Soll man nun aus dem zehnten Stock springen oder aus dem dritten?"

Kann man sich als leidgeplagter Raucher nun also guten Gewissens vornehmen, 2016 zum Dampfer zu werden? "Wir stehen den E-Zigaretten neutral gegenüber", sagt Martina Pötschke-Langer vom DKFZ, um gleich darauf hinterherzuschieben: "Soll man nun aus dem zehnten Stock springen oder aus dem dritten? Ich würde sagen, man springt gar nicht." David Shaw von der Universität Basel findet es trotz der Unsicherheiten verantwortungsvoll, E-Zigaretten zu empfehlen, "denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Langzeit-Wirkungen auch nur annähernd so schlimm sind wie die von Tabak".

Am besten sei es natürlich immer, man hört ganz zu rauchen auf, sagt Peter Hajek von der Queen-Mary-Universität London. "Aber falls das jemand nicht kann oder nicht will, dann können E-Zigaretten eine Verbesserung sein." Hajek empfiehlt, das einfach selbst auszuprobieren, und vor allem verschiedene Geräte und Sorten zu testen, bevor man sich entscheidet.