Die Folgen von Fukushima 15 bis 1300 Krebstote - weltweit

Etwa 600 Menschen sind im Rahmen der Evakuierung der Umgebung von Fukushima-1 bereits gestorben. Doch mit wie vielen Krebstoten muss man nach dem Super-GAU rechnen? US-Forscher haben die Zahlen mit einem Computermodell berechnet.

Amerikanische Forscher haben mit einem Computermodell berechnet, wie viele Menschen weltweit unter den Folgen der Atomkatastrophe von Fukushima zu leiden haben. Die dabei ermittelten Werte hätten zwar enorme statistische Spannbreiten: Die Zahl der zu erwartenden Krebstoten liegt demnach zwischen 15 und 1300. Doch stünden die Daten in klarem Widerspruch zu Aussagen beispielsweise des UN-Ausschusses zur Untersuchung der Auswirkungen atomarer Strahlung (Unscear), berichten die Forscher im Fachmagazin Energy and Environmental Science (doi: 10.1039/ c2ee22019a).

"Es gibt einige Gruppen, die gesagt haben, es würde keine globalen Effekte geben", erklärt Studienleiter Mark Jacobson von der kalifornischen Stanford University. Das UN-Komitee hatte wie andere Gruppen vorausgesagt, es werde keine ernsthaften Gesundheitsfolgen durch die Strahlung geben. Die jetzt ermittelte Rate von Toten und Krebskranken sei zwar tatsächlich niedrig, vor allem außerhalb von Japan, aber eben nicht null, betonen die Wissenschaftler. Als beste Näherung kamen die Forscher auf rund zusätzliche 130 Krebstote weltweit.

Zu den künftigen Toten kämen noch etwa 600 Menschen hinzu, die bereits im Rahmen der Evakuierung und der Notfallmaßnahmen im Atomkraftwerk gestorben seien. So waren manche alten und kranken Menschen in den betroffenen Gebieten nicht mehr ausreichend versorgt worden und an Erschöpfung gestorben. Den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge wurden durch die Rettungsmaßnahmen höchstens 245 Fälle von Strahlentod vermieden. Demnach hätte die Evakuierung mehr Leben gekostet als gerettet. Die Forscher raten jedoch davon ab, daraus den Schluss zu ziehen, man solle in Zukunft auf solche Maßnahmen verzichten.

Die durch Fukushima zu erwartenden Krebstoten und Erkrankungsraten liegen der Studie zufolge um eine Größenordnung niedriger als nach dem Atomunfall von Tschernobyl. Die mit Abstand meisten Betroffenen gebe es unter den Bewohnern Japans, sagen die Forscher. Auf dem asiatischen Festland und in Nordamerika seien die gesundheitlichen Folgen dagegen sehr gering. So prognostizieren die Wissenschaftler für die USA nur 0,2 bis 6,3 zusätzliche Todesfälle und zwischen 0,3 und 15 Krebserkrankungen. Für Europa liegen die Werte noch niedriger. Hier ergab die Simulation 0,17 bis 4,8 zusätzliche Krebstote und 0,3 bis 11 Krankheitsfälle.

"Das trägt sicher dazu bei, die Befürchtungen zu zerstreuen, dass die Fukushima-Katastrophe gravierende weltweite Auswirkungen haben könnte", betont Erstautor John Ten Hoeve von der Stanford University. Den Hauptgrund für die vergleichsweise geringen globalen Folgen sehen die Forscher darin, dass der größte Anteil des radioaktiven Materials ins Meer gespült wurde.

Nur 19 Prozent der freigesetzten radioaktiven Elemente seien über dem Land niedergegangen, berichten sie. In Japan habe auch die schnelle Evakuierung und das Anbauverbot für Getreide, Obst und Gemüse in belasteten Gebieten dazu beigetragen, dass nicht noch mehr Menschen radioaktiv kontaminiert wurden.

Für ihre Studie hatten die Forscher ein 3D-Atmosphärenmodell genutzt, um die Ausbreitung von radioaktivem Cäsium-137, Jod-131 und Cäsium-134 von Fukushima aus zu simulieren. Die damit ermittelten Belastungswerte speisten sie in ein medizinisches Modell ein, über das sie die krebsauslösende Wirkung der jeweiligen Kontaminierung abschätzten. Da die Belastung durch verseuchte Nahrung und Wasser nur näherungsweise bestimmt werden konnte, erhielten die Wissenschaftler für ihre Ergebnisse relativ hohe Spannbreiten.