Demenzstudie Vitaminmangel erhöht Alzheimerrisiko

Sonnenbäder und Fisch gegen die Vergesslichkeit? Ein Vitamin-D-Mangel könnte Alzheimer und andere Demenzformen fördern. Doch noch ist es zu früh für eine flächendeckende Forderung nach Vitaminen.

Von Werner Bartens

Sommerwetter am Bodensee Zwei Frauen mit Sonnenhut sitzen am 08.06.2014 auf einer Bank in Meersburg (Baden-Württemberg) am Bodensee. Foto: Sebastian Kahnert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

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Wenn die Krankheit nicht zu heilen ist und weder eine spezifische Therapie noch Vorbeugung möglich sind, wird aus einem kleinen Hoffnungsschimmer schnell ein helles Leuchten. So muss man wohl die voreiligen Sensationsmeldungen verstehen, in denen regelmäßig grandiose Behandlungserfolge und hochwirksame Präventionsstrategien gegen Alzheimer und andere Formen der Demenz verkündet werden. Betrachtet man den wissenschaftlichen Kern dieser Nachrichten und fragt nach dem Nutzen für Patienten, bleibt oft wenig übrig - oder gar nichts.

Diese Einschränkung muss man vorausschicken, wenn von der Studie die Rede ist, die Neuroforscher nun im Fachblatt Neurology veröffentlichen (Bd. 83, S. 1, 2014). Die Mediziner um David Llewellyn von der Universität Exeter behaupten, dass Mangel an Vitamin D das Risiko für Demenz-Erkrankungen wie Alzheimer stärker erhöhe als bisher gedacht.

Wer sich kaum in der Sonne aufhält, wenig Milch, Eier, Käse oder fettigen Fisch wie Lachs, Makrele oder Thunfisch zu sich nehme und damit einen Vitamin-D-Mangel provoziere, werde womöglich früher dement. "Wir haben vermutet, einen Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin-D-Spiegeln und Demenz zu finden", sagt Llewellyn. "Dass er doppelt so stark ausfiel wie angenommen, hat uns aber überrascht."

Schwere Mangelerscheinungen steigern Demenz-Risiko um das Doppelte

Das internationale Forscherteam hatte mehr als 1600 Senioren im Alter jenseits der 65 über den Verlauf von sechs Jahren beobachtet. Zu Beginn der Untersuchung konnten alle Teilnehmer noch selbständig gehen und wiesen keinerlei Anzeichen für eine Demenz, Herz-Kreislauf-Leiden oder einen Schlaganfall auf. Das ist wichtig, denn Blutungen wie auch Durchblutungsstörungen im Gehirn können ebenfalls Symptome einer Demenz hervorrufen.

Während des Beobachtungszeitraums entwickelten 171 Probanden eine Demenz, davon 102 Alzheimer. Im Vergleich zu den Teilnehmern mit ausgeglichenen Vitamin-Spiegeln war das Risiko für eine Demenz um 53 Prozent bei jenen erhöht, die niedrige Konzentrationen aufwiesen. Bei schweren Mangelerscheinungen stieg das Demenz-Risiko sogar um mehr als das Doppelte auf 120 Prozent an.

Allerdings sind trotz der großen Studie die Fallzahlen zu gering, um flächendeckend Vitamine gegen Alzheimer zu fordern. "Wir brauchen mehr klinische Studien, um zu untersuchen, ob Fisch oder Milchprodukte Demenzen hinauszögern können", schränken die Forscher ein. "Unsere Daten zeigen ja nicht kausal, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel eine Demenz verursachen." Diese Zurückhaltung ist löblich, aber gleichzeitig wissen die Forscher auch: "Wenn auch nur ein kleiner Anteil der Risikopatienten von Vorbeugung profitiert, hätte das beim Ausmaß der Demenz enorme Folgen."

Ratgeber Alzheimer