Demenz Sport hilft gegen Alzheimer

Die 88-jährige Johanna Quaas ist die älteste Turnerin der Welt

(Foto: dpa)

Fitter Körper, fitter Geist: Regelmäßige Bewegung im Alter kann dem Hirnschwund vorbeugen, berichten Forscher. Zu Leistungssportlern müssen Senioren aber deshalb nicht werden.

Von Werner Bartens

Es ist wahrscheinlich die größte Angst, die Menschen umtreibt, wenn sie älter werden: Nach und nach alle kognitiven Fähigkeiten einzubüßen. Erst fallen einem die Namen von guten Freunden nicht mehr ein, dann weiß man nicht mehr, wo man seinen Schlüssel abgelegt hat - und schließlich ist die Desorientierung so groß, dass man nicht mehr sagen kann, wo man gerade ist und welcher Wochentag oder Monat gerade seinen Lauf nimmt.

Alzheimer und andere Formen der Demenz sind bisher unheilbar. Trotzdem gibt es ein Arsenal mehr oder weniger seriöser Empfehlungen, wie die Vergesslichkeit zumindest hinausgezögert werden kann. Neben Gehirnjogging und intellektueller Regsamkeit wird immer wieder körperliche Aktivität empfohlen. Amerikanische Neurowissenschaftler haben nun gezeigt, wie Bewegung das Gehirn jung hält und wichtige Regionen vor dem Schrumpfen bewahrt (Frontiers in Aging Neuroscience, online).

Wer sich nur drei mal die Woche eine halbe Stunde mäßig bewegt, kann auf positive Effekte hoffen

Das Forscherteam um Carson Smith aus Maryland hat ermittelt, dass der Hippocampus bei jenen älteren Menschen weniger an Größe verliert, die sich mäßig, aber regelmäßig bewegen. Der Hippocampus ist von zentraler Bedeutung für das Gedächtnis und die räumliche Orientierung. "Die gute Nachricht ist, dass körperliche Aktivität offenbar einen Schutz vor neurodegenerativen Veränderungen bei Alzheimer bietet", sagt Smith. "Das heißt, dass wir den kognitiven Niedergang verzögern können und die Demenz-Symptome erst später einsetzen."

Zwar verlieren alle Menschen etwa ab dem 65. Lebensjahr an Gehirnvolumen. Bei Patienten mit Alzheimer oder anderen Demenzformen tritt diese Atrophie aber schneller und massiver ein. Die Sportwissenschaftler und Nervenexperten aus den USA untersuchten gesunde, ältere Herrschaften im Alter zwischen 65 und 89 Jahren über einen Zeitraum von 18 Monaten. Mittels Kernspinaufnahmen erfassten sie die Größe des Hippocampus zu Beginn und am Ende der Studie. Die freiwilligen Teilnehmer wurden vier Gruppen zugeordnet - je nachdem, ob sie sich viel oder kaum bewegten und ob bei ihnen auf Chromosom 19 die genetische Variante des Apolipoprotein E4-Allels nachzuweisen war. Mit Apo-E4 geht ein erhöhtes Risiko für Alzheimer einher.

Trieben die Probanden keinen Sport und gehörten zu der Alzheimer-Risikogruppe, schrumpfte das Volumen ihres Hippocampus in den eineinhalb Jahren um drei Prozent. Ein geringer Wert, der sich im noch höheren Alter allerdings so massiv steigern kann, dass die Hirnfunktion beeinträchtigt wird. In der Gruppe, die ebenfalls ein erhöhtes genetisches Risiko aufwies, aber Sport trieb, blieb die Größe des Hippocampus hingegen gleich. Dabei wirkte es sich bereits positiv auf das Hirnvolumen aus, wenn man sich nur drei Tage die Woche mäßig eine halbe Stunde oder länger bewegt.