Ernährung Gefährliche Stoffe in Nahrungsergänzungen

Viele Mittel versprechen unter anderem einen schlanken Körper oder bessere Fitness, enthalten aber mitunter riskante Stoffe.

(Foto: Catherina Hess)
  • Nahrungsergänzungsmittel versprechen besseren Blutdruck, gesteigerte Potenz oder einen schlanken Körper.
  • Doch oft enthalten sie versteckte Schadstoffe. Die soll ein neues Verfahren nun besser aufspüren.
  • Es könnte auch Badesalze, Raumerfrischer und Kunstdünger als Partydrogen entlarven.
Von Andrea Hoferichter

Eigentlich sind Bin Guo und seine Kollegen von der Hunan Normal University in China in guter körperlicher Verfassung. Trotzdem kauften die Forscher im Internet und auf Märkten zig Kapseln, Tabletten und Säfte: Nahrungsergänzungsmittel und Kräutermischungen, die gesund machen sollen. Die Mittel versprechen unter anderem einen besseren Blutdruck, gesteigerte Potenz oder einen schlanken Körper. Guo und seine Kollegen wollten herausfinden, ob in den vermeintlichen Wundermitteln illegale Stoffe enthalten sind - und wurden fündig.

In den Mittelchen aus dem Internet stecken mitunter Abführmittel oder Antidepressiva

Die chinesischen Forscher wiesen in den gut 100 Produkten etwa 30 gesundheitsgefährdende Stoffe nach. Daneben fanden sie eine Variante des verschreibungspflichtigen Viagra-Wirkstoffs Sildenafil, wie die Forscher kürzlich im Journal of Agricultural and Food Chemistry berichteten. Dabei erprobten die Forscher ein neues Analyseverfahren, mit dem sich illegale Inhaltsstoffe einfacher als bisher aufspüren lassen sollen. Mit ihrer Methode sei der Nachweis ganz unterschiedlicher Substanzklassen möglich, sagt Bin Guo.

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Er will mit der Screening-Methode künftig Behörden unterstützen, die nach illegalen Substanzen in Nahrungsergänzungsmitteln suchen. Bisher erschwert die Vielfalt der möglichen Inhaltsstoffe diese Arbeit. Fahnder müssen schon vorher eine Vermutung haben, was in einem Produkt stecken könnte. Oft lassen sich Stoffe nur mit spezifischen Tests nachweisen. Dabei würden Prüfer bei Behörden gerne schnell einen Überblick über alle enthaltenen Substanzen gewinnen.

In deutschen Drogerien oder Supermärkten gibt es keine gefährlichen Mittel

Der Bedarf für schnellere Tests ist offensichtlich vorhanden: Nahrungsergänzungsmittel aus dem Ausland werden im Internet seit Langem mit großen Versprechen und harmlosen Inhaltsstoffen beworben, enthalten aber oft gefährliche Substanzen. Mal sind es Abführmittel, die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen. Mal sind es Antidepressiva, kreislaufbelastende Aufputschmittel oder potenzsteigernde Wirkstoffe, die in Kombination mit anderen Medikamenten lebensbedrohliche Folgen haben können. Was die Suche nach solchen Zusätzen erschwert: Häufig setzen Hersteller chemische Variationen illegaler Stoffe zu und umgehen so Verbote.

Deutsche Verbraucher geben sich vor allem dann in Gefahr, wenn sie Nahrungsergänzungsmittel im Internet bestellen. In deutschen Drogerien oder Supermärkten seien die potenziell gefährlichen Nahrungsergänzungsmittel nicht zu finden, sagt Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Aber über das Internet kann man sie leicht kaufen." Da die Mittel meistens von Anbietern aus dem Ausland vertrieben werden, können deutsche Behörden nur warnen. Clausen würde es daher sehr begrüßen, wenn eine breit anwendbare Analysemethode wie jene aus China zur Verfügung stünde.