Cannabis-Konsum Gefahr in Tüten

Jüngere Studien zeigen: Cannabis kann süchtig machen und beeinträchtigt Gedächtnis und Aufmerksamkeit.

(Foto: dpa)

Cannabis gilt als weiche Droge und wird gesellschaftlich immer stärker akzeptiert. Dabei zeigen gerade neuere Forschungsarbeiten die Risiken des Kiffens auf.

Von Christian Guht

"Morgens ein Joint, und der Tag ist dein Freund", gab Peter Fonda in Easy Rider einst zum Besten, und das bedröhnte Kinopublikum grinste wissend mit. Seit den 1970er-Jahren, gewissermaßen in einem Atemzug mit Rock und Studentenrebellion, etablierte sich der Konsum der Cannabispflanze - also ihrer Produkte Haschisch und Marihuana - in der westlichen Jugendkultur. Erlaubt war die Kifferei zwar nicht, aber ja auch nicht so richtig gefährlich - genau das Richtige für Heranwachsende, die spielerisch nach Grenzerfahrungen suchten.

Mittlerweile sind die Hippies alt, diverse kiffende Generationen nachgewachsen und die Droge scheint endgültig in der Gesellschaft angekommen zu sein. In den USA verabschiedet man sich gerade von einer so restriktiven wie erfolglosen Drogenpolitik und hat die berauschenden Hanfprodukte in Colorado und Washington State für den privaten Gebrauch legalisiert. In Deutschland fordern Parteien wie Grüne, Linke und Piraten Ähnliches. Und der Umstand, dass Mediziner heilende Eigenschaften des Hanfs in den vergangenen Jahren zunehmend erforscht, erprobt und kommuniziert haben, fördert sein Image vom sanften Kraut noch zusätzlich.

Jüngere Forschungsarbeiten hingegen, welche die Gefahren des Cannabiskonsums untersucht haben, kommen zu ganz anderen Schlüssen. Eine aktuelle Übersichtsarbeit im New England Journal of Medicine (NEJM) zeigt: Cannabis kann süchtig machen. Es beeinträchtigt Gedächtnis und Aufmerksamkeit. Sein dauerhafter Gebrauch mindert Karrierechancen und Lebenszufriedenheit. "Die Arbeit fasst neuere Studienergebnisse gut zusammen, die zeigen, dass Kiffen nicht so harmlos ist, wie lange angenommen wurde", sagt Berend Malchow von der Klinik für Psychiatrie der Ludwig-Maximilians-Universität München, "solche medizinischen Erkenntnisse kommen in der Debatte um Legalisierung ein bisschen zu kurz."

Suchtpotenzial ist chronisch unterschätzt worden

Die Autoren vom US-amerikanischen National Institute on Drug Abuse (NIDA) in Bethesda, Maryland, haben fast 80 einschlägige Studien aus den vergangenen zehn Jahren ausgewertet und dabei einige ernste Trends ausgemacht. Vor allem das Suchtpotenzial der Droge ist offenbar chronisch unterschätzt worden, wie die Arbeit des Teams um die bekannte Hirnforscherin Nora Volkow zeigt: Etwa neun Prozent aller Kiffer rutschen in die Abhängigkeit, die durch hohen Konsum bei Toleranzentwicklung gekennzeichnet ist: Der Abhängige raucht jede Menge Zeug, wird aber kaum noch high davon, erlebt dafür Lethargie und Freudlosigkeit. Bei Abstinenz kann es zu Entzugserscheinungen in Form von Schlaflosigkeit oder Angstzuständen kommen. In den USA seien davon schätzungsweise 2,7 Millionen Menschen betroffen, was immerhin einem Drittel der Anzahl Alkoholabhängiger dort entspreche. In Deutschland sollen etwa 600 000 Menschen Haschisch und Marihuana in einem derart schädlichen Ausmaß zu sich nehmen, haben Wissenschaftler des Instituts für Therapieforschung erhoben. Cannabis-Erfahrungen hat jeder vierte Deutsche.

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