BUND-Untersuchung zu Glyphosat Pestizide im Körper

In Brötchen und Haferflocken wurde das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat gefunden - und im Urin der Deutschen. Sieben von zehn untersuchten Harnproben enthielten das Spritzmittel. Doch so erschreckend sich die Funde anhören: Was sie bedeuten, bleibt unklar.

Von Berit Uhlmann

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist nicht nur in der Umwelt weit verbreitet, sondern offenbar auch im menschlichen Körper. Sieben von zehn Großstädtern in Deutschland hatten das Herbizid im Urin, als der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sie zum Test bat. Von März bis Mai dieses Jahres analysierte die Umweltschutzorganisation gemeinsam mit ihrem europäischen Dachverband Friends of the Earth Urin-Proben von insgesamt 182 Stadtbewohnern aus 18 europäischen Ländern auf Glyphosat - und wurde überall fündig. Was das Spritzmittel im menschlichen Körper auslösen kann, ist umstritten.

Keiner der untersuchten Städter hatte nach eigenem Bekunden Glyphosat selbst eingesetzt. Folglich, so der BUND, "stammen die Belastungen aus Quellen, die der Einzelne nicht zu verantworten hat." Eine Vorstellung davon, was für Quellen dies sein könnten, vermittelte Jürgen Stellpflug, Chefredakteur der Zeitschrift Ökotest bei der Vorstellung der Untersuchung: "Wir haben Mehl, Haferflocken und Backwaren auf Glyphosat untersuchen lassen und wurden in 14 von 20 Proben fündig". Acht der zehn untersuchten Brötchen seien belastet gewesen. Das zeige, dass Glyphosat die Backtemperaturen übersteht und in den menschlichen Körper gelange.

Insgesamt 80 der 182 europäischen Urin-Proben enthielten das Unkrautgift. Die höchsten Belastungen fanden die Tester in Malta, wo 90 Prozent der untersuchten Einwohner das Spritzmittel im Körper hatten. Dagegen enthielten nur zehn Prozent der Proben aus Bulgarien und Mazedonien das Herbizid.

Allerdings sind die Unterschiede wohl nicht sehr aussagekräftig, denn insgesamt wurden pro Land nur acht bis zwölf Urinproben ausgewertet. Dass sich die Chemikalie im Harn von Menschen befindet, die weit entfernt von Feldern leben, ergab im vergangenen Jahr auch eine Untersuchung der Universität Leipzig.

"Es ist erschreckend, dass fast die Hälfte der Bewohner von Großstädten in Europa Glyphosat im Körper hat. Dabei ist Glyphosat nicht das einzige Pestizid, dem die Menschen ausgesetzt sind", beklagt BUND-Chef Hubert Weiger.

Doch was jenseits des Erschreckens bleibt, ist unklar. Denn wie schädlich das seit etwa 30 Jahren eingesetzte Spritzmittel ist, ist umstritten. Nicht-Regierungsorganisationen halten die Gesundheitsgefahren für nicht ausreichend erforscht. Eine Gruppe von Wissenschaftlern erhob vor zwei Jahren sogar den Vorwurf, die Risiken würden verschwiegen. Die Kritiker berufen sich auf Tierversuche und Beobachtungen aus Südamerika, wonach Menschen, die in der Nähe gespritzter Felder leben, gehäuft Kinder mit Fehlbildungen zur Welt brachten.