Brustkrebs Ein Haken: Manche neuen Methoden sind teuer

Zahlreiche Parameter helfen Ärzten also vorher zu sagen, wie gut eine Behandlung wirkt (Prädiktion) und wie wahrscheinlich es ist, dass eine Patientin nach der Therapie gesund bleibt (Prognose). Grundsätzlich gilt: Wenn die Patientin anhand gewisser Parameter in eine niedrige Risikogruppe einzustufen ist und das Wachstum der Krebszellen hormonabhängig ist, reicht oft eine Hormonbehandlung aus, und auf die Chemotherapie kann verzichtet werden.

Es gibt aber Grenzfälle, und zwar dann, wenn ein hormonabhängiger Tumor noch keine Lymphknoten befallen hat, aber schnell wächst, wie Walter Jonat und Brigitte Rack erklären. Die Ärzte sind sich einig: In solchen Fällen wäre eine weitere Klassifizierung des Tumors wünschenswert. Diese sei mithilfe neuer genetischer Untersuchungen möglich, wie der sogenannten Genexpressionsanalyse.

Laut Rack würden diese labortechnischen Untersuchungen des Tumorgewebes teilweise in der klinischen Praxis bereits angewandt. "Einem Drittel der Frauen, bei denen trotz der Routineuntersuchungen die Entscheidung zu einer Chemotherapie unklar bleibt, könnte durch diese neuen Tests eine Chemotherapie erspart bleiben", mutmaßt die Ärztin. Jens-Uwe Blohmer ergänzt, dass einige internationale Fachgesellschaften die Untersuchungen sogar ausdrücklich empfehlen würden.

Walter Jonat betont aber, dass man sich auf die Ergebnisse keinesfalls ausschließlich verlassen sollte: "Die Informationen aus der Genexpressionsanalyse sind ein Zusatz zu den anderen Parametern." Einen Haken haben sie allerdings: Sie sind sehr teuer. Eine Genexpressionsanalyse kostet 2600 Euro. Blohmer erklärt, dass die Anbieter manchmal versuchen, das Geld für die Tests von den Krankenkassen zu bekommen, was ab und zu gelingt. Darauf verlassen kann man sich allerdings nicht, da das Verfahren noch nicht zum Standard in der Diagnostik gehört. Das ist abhängig vom Ausgang großer Studien, die gerade in Deutschland, Europa und in den USA laufen. "In ein bis zwei Jahren wissen wir mehr", sagt Jonat.

Eine weitere Möglichkeit, den Tumor genauer zu klassifizieren, sei die Bestimmung zirkulierender Tumorzellen aus dem Blut der Frau, sagt Brigitte Rack. Würden welche entdeckt, sei das meist ein Anzeichen dafür, dass die Patientin früher einen Rückfall erleiden werde. An der LMU läuft derzeit eine Studie, die diese Zellen untersucht, mit dem Ziel, der Patientin im Anschluss eine spezielle Therapie zu geben, die die Zellen angreift. Dazu sagt Jonat: "Das sind Forschungsbereiche. In der klinischen Praxis weltweit spielt das noch keine Rolle."

Evelin Müller und Maria von Oettingen gelten heute übrigens als geheilt. Jede freut sich auf ihre Weise. Evelin Müller feierte Ende vergangenen Jahres gleich zwei Geburtstage - ihren 65. und ihren 20. Auch Maria von Oettingen sieht einem Geburtstag entgegen: Sie erwartet im Februar ihr zweites Kind - und wird es stillen.

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