Brustentfernung von Angelina Jolie Radikaler Schnitt

Angelina Jolie hat sich die Brüste entfernen lassen, um ihr Krebsrisiko zu senken. Dieser Schritt ist gar nicht so selten wie Laien glauben. Auch in Deutschland entscheiden sich Frauen für diese drastische Art der Vorsorge. Wie sinnvoll ist die Operation? Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Brustentfernung und -rekonstruktion.

Von Markus C. Schulte von Drach und Berit Uhlmann

Diese Nachricht überraschte die Welt: Schauspielerin Angelina Jolie ließ sich die Brüste vorsorglich entfernen, um ihr Krebsrisiko zu mindern. Über die Entscheidung zu dem Eingriff berichtet sie sehr offen in der New York Times. Was viele Laien irritiert, ist für Mediziner nachvollziehbar. Auch in Deutschland wird die Mastektomie vorsorglich durchgeführt. Antworten auf die wichtigsten Fragen zu den Voraussetzungen, zum Vorgehen und Nutzen der Brustentfernung.

Wie stark ist die erbliche Komponente bei Brustkrebs?

Etwa fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebspatientinnen haben ein ererbtes Risiko für die Krankheit.

Wie wird dieses Risiko festgestellt?

Einen Anhaltspunkt erhalten Patientinnen zunächst, wenn unter ihren Angehörigen mehrere an Brustkrebs erkranken. Von solch einem familiären Risiko sprechen Ärzte beispielsweise wenn drei Frauen innerhalb einer Familie Brustkrebs bekamen, oder wenn bei einer Angehörigen schon vor dem 36. Lebensjahr ein Mammakarzinom diagnostiziert wurde. Frauen aus solchen Familien können auf Kosten der Krankenkasse einen Gentest vornehmen lassen. Der Gesetzgeber sieht aber ausdrücklich ein Recht auf Nichtwissen vor. Niemand muss einen solchen Test absolvieren.

Wie läuft so ein Test ab?

Voraussetzung ist ein umfassendes Aufklärungsgespräch. Für den Test muss eine Blutprobe abgegeben werden. Die Auswertung der Probe dauert in der Regel drei bis vier Wochen, kann aber auch beschleunigt werden: "Ist bei einem Familienmitglied bereits eine Mutation in einem 'Brustkrebsgen' festgestellt worden, suchen wir bei der Patientin gezielt nach dieser Mutation, um festzustellen, ob die Patientin sie geerbt hat", sagt Susanne Morlot, Humangenetikerin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Dies ist innerhalb weniger Tage möglich. "Gibt es keine Genbefunde in der Familie, suchen wir in der Regel nach Mutationen in zwei bis vier Genen, je nach Familienvorgeschichte und Vorbefunden. Dieses Vorgehen ist aufwändiger und dauert meist zwei bis drei Wochen", erläutert die Oberärztin.

Wie zuverlässig ist so ein Test?

"Frauen, mit einer Mutation in einem der Risikogene, haben - je nach verändertem Gen - ein Risiko von bis zu 80 Prozent, im Laufe ihres Lebens an einem Mammakarzinom zu erkranken. Das Risiko für Eierstockkrebs wird - je nach verändertem Gen - auf bis zu 40 bis 60 Prozent beziffert", sagt Susanne Morlot: "Das heißt aber auch, dass einige Frauen trotz der vorliegenden genetischen Veränderung keinen Brust- oder Eierstockkrebs entwickeln." Warum einige Frauen erkranken und andere Frauen gesund bleiben, ist bis heute noch nicht geklärt.

Umgekehrt gibt es auch keine vollkommene Sicherheit für Frauen mit einem negativen Gentest. In etwa der Hälfte der Familien mit hohem Risiko kann keine Veränderung in den vier Genen nachgewiesen werden. Wahrscheinlich sind in diesen Familien das Zusammenwirken unterschiedlicher Gene verantwortlich. Oder es gibt Mutationen in noch gar nicht entdeckten Genen, erläutert die Fachärztin.