Bluthochdruck Unter Druck vor der Glotze

Manche Kinder verbringen sehr viel Zeit vor dem Fernseher - zu Lasten ihrer körperlichen Gesundheit.

(Foto: picture alliance / dpa)

Können Kinder schon unter zu hohem Blutdruck leiden? Das hängt nicht unwesentlich davon ab, wie viel Zeit sie vor dem Fernseher verbringen.

Von Werner Bartens

Medienkritische Eltern werden sich bestätigt fühlen. Für Freunde der TV-Unterhaltung kommt es hingegen darauf an, was die Kinder sonst noch in ihrer Freizeit treiben. Eine Untersuchung aus Kanada kommt zu dem Ergebnis, dass Grundschüler, die täglich mindestens zwei Stunden vor dem Fernseher verbringen, 2,7-mal so häufig einen erhöhten Blutdruck aufweisen im Vergleich zu jenen Gleichaltrigen, die seltener vor der Glotze sitzen.

In der Gruppe derjenigen Kinder, deren Fitness am bescheidensten ausfiel, gab es 3,4-mal so oft Anzeichen von Bluthochdruck. Diese Ergebnisse stellten Mediziner auf dem Weltkongress der Kardiologen vor, der diese Woche im australischen Melbourne stattfindet.

Ein Team um den Epidemiologen und Arbeitsmediziner Gilles Paradis von der McGill University in Montreal hatte 630 Kinder im Alter zwischen acht und zehn Jahren untersucht. Bei den Schülern wurde innerhalb einer Woche fünfmal der Blutdruck gemessen und mithilfe von Schrittzählern das Bewegungsprofil erfasst. Zudem analysierten die Forscher detailliert in Fragebögen, wie oft sich die Kinder ihrer eigenen Einschätzung nach bewegten und wie viel Zeit sie vor dem Computer, dem Fernseher, mit Videospielen, Smartphones, Lernen oder Lesen verbrachten. Auf einem Fahrradergometer wurden ihr Fitnesszustand und ihre körperliche Leistungsfähigkeit ermittelt.

"Mehr als zwei Stunden Bildschirmzeit gingen mit einem 2,7-fach erhöhten Risiko für erhöhten diastolischen Blutdruck einher. Bei dicken Kindern war dieser Zusammenhang noch ausgeprägter", sagt Paradis. "Die Studie zeigt außerdem, dass regelmäßige körperliche Aktivität Kinder vor Herzkreislaufrisiken schützt und ihre Lebenserwartung günstig beeinflussen kann." Tritt in jungen Jahren schon Bluthochdruck auf, ist dies ein frühes Warnsignal für drohende Gefäßverkalkung mit den möglichen mittelfristigen Folgen Herzinfarkt und Schlaganfall.

Während bekannt ist, dass Bewegungsmangel, unzureichende Fitness und deutliches Übergewicht bei Erwachsenen Bluthochdruck begünstigen können, gibt es bisher wenige Untersuchungen zu diesem Zusammenhang bei Kindern. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt aus Gesundheitsgründen 60 Minuten tägliche Bewegung für Kinder und 150 Minuten pro Woche für Erwachsene.

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