AOK-Krankenhausbericht Kliniken sollen sich stärker spezialisieren

Derzeit gibt es etwa 2000 Krankenhäuser in Deutschland. Für manche Experten zu viele.

(Foto: dpa)
  • Die Krankenkasse AOK fordert, dass komplexe Eingriffe nur in spezialisierten Kliniken durchgeführt werden. Die Patienten hätten dort höhere Heilungschancen.
  • Die Union unterstützt den Vorstoß. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft spricht dagegen von einer "Diskreditierung der Krankenhausmedizin".
Von Michaela Schwinn

Darmkrebspatienten und Menschen, die ein neues Hüftgelenk brauchen, haben bei einer Operation in größeren, spezialisierten Kliniken höhere Heilungschancen als in kleineren Krankenhäusern ohne Fachabteilungen. Dieses Fazit zieht die AOK in ihrem diesjährigen Krankenhaus-Report, den sie am Montag in Berlin vorgestellt hat. Demnach würden mehr spezialisierte Krankenhausbehandlungen generell zu besseren Ergebnissen führen.

Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, forderte Bund und Länder zu einer Strukturreform der Krankenhauslandschaft auf: "Ein deutlicher Schritt wäre es bereits, wenn künftig Kliniken mit mehr als 500 Betten nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel bilden." Die Zahl der derzeit etwa 2000 Krankenhäuser müsse reduziert werden. "Das heißt aber nicht, dass alle kleinen Häuser geschlossen werden sollen", sagte Litsch. Sie sollten weiter zur medizinischen Versorgung beitragen, aber nicht mehr unbedingt als Krankenhäuser, sondern zum Beispiel als Versorgungszentren für stationäre und ambulante Aufgaben.

Für komplizierte Eingriffe wie Darmkrebsoperationen sei eine Spezialisierung von Kliniken essenziell. Das zeigten Untersuchungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK: 2015 seien etwa ein Viertel aller Darmkrebsoperationen in Kliniken durchgeführt worden, die diesen Eingriff maximal 17-mal im Jahr vornehmen. Dabei liege beispielsweise bei Dickdarmkrebs das Risiko, schon während des Aufenthalts zu sterben, in kleinen Kliniken ohne Spezialisierung um 21 Prozent höher als in zertifizierten Kliniken.

Auch bei Eingriffen wie Hüftgelenksoperationen weist der Report Unterschiede nach: Je häufiger Krankenhäuser diesen Eingriff durchführen, desto seltener müssen Patienten innerhalb eines Jahres erneut operiert werden. Laut Report würde die geforderte Spezialisierung allerdings die Anfahrtswege verdoppeln, von durchschnittlich acht auf 16 Kilometer. Für das Ziel einer besseren Versorgung hält die AOK dies für vertretbar.

Die Unions-Fraktion sprach sich am Montag ebenfalls für eine stärkere Zentralisierung von Krankenhäusern aus. Kleinere Krankenhäuser solle es nur noch geben, wenn sie notwendig seien, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin Karin Maag. Nicht jede Klinik müsse jede Leistung anbieten, planbare Operationen sollten in speziellen Zentren stattfinden.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisiert den AOK-Report als "Diskreditierung der Krankenhausmedizin". DKG-Geschäftsführer Georg Baum verteidigte die kleinen Einrichtungen: Bei der Qualitätsbeurteilung kleiner Krankenhäuser müsse man deren Hintergrund berücksichtigen. In diesen Kliniken fielen häufig Notoperationen an, die aus Analysen herausgerechnet werden sollten. Aber auch er bestätigte, dass eine Mindestanzahl von Operationen sinnvoll sein kann, "wenn das die Qualität verbessert". Dabei sollten Fallzahlen aber nicht als einziges Messinstrument dienen. Eine gute medizinische Grundversorgung im ländlichen Bereich sei ebenso wichtig.

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