Anti-Aids-Pille Truvada Schutzschild gegen die HIV-Infektion

Truvada ist das erste Medikament, das zur Vorbeugung einer HIV-Infektion auf den Markt gekommen ist. In den USA wurde jetzt es für Risikogruppen zugelassen.Die Ansteckungsgefahr sinkt deutlich, doch die Pille hat Schwachstellen.

Von Werner Bartens

Die Hoffnung ist blau und länglich und muss einmal täglich eingenommen werden. Dann kann Truvada, wie der Markenname des Medikaments lautet, die Ansteckung mit dem HI-Virus verhindern - nicht hundertprozentig sicher, aber mit großer Wahrscheinlichkeit. Aus diesem Grund hat die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA das Mittel mit Beginn dieser Woche zur Prävention zugelassen. Es ist das erste Medikament, das zur Vorbeugung einer HIV-Infektion auf den Markt gekommen ist.

Truvada ist als Medikament zur Behandlung von Aids schon länger auf dem Markt. Nun wurde es auch zur Vorbeugung einer HIV-Infektion zugelassen.

(Foto: dpa)

HIV wurde in den 80ern und 90ern als lebensbedrohliche Erkrankung gesehen. In einigen Teilen der Welt ist das immer noch so", sagt Debra Birnkrant, Leiterin der Abteilung für antivirale Produkte bei der FDA. "Der medizinische Fortschritt mit mittlerweile fast 30 verschiedenen Aids-Medikamenten hat aber dazu geführt, dass es wie eine chronische Erkrankung behandelt werden kann. Trotzdem ist es besser, HIV vorzubeugen, statt lebenslang die Infektion zu bekämpfen."

Die Kombination aus den Substanzen Tenofovir und Emtricitabin ist als Truvada nicht neu, sondern bereits 2004 von der FDA zugelassen worden. Damals war die Anwendung jedoch ausschließlich für Menschen gedacht, die sich bereits mit dem Aids-Virus angesteckt hatten. Mittlerweile haben aber mehrere Studien amerikanischer Wissenschaftler gezeigt, dass die Arznei auch vor einer Ansteckung mit dem Erreger schützen kann.

Schutzrate bis zu 75 Prozent

Bei 2500 Homosexuellen wurde das Risiko einer Ansteckung im Mittel um 42 Prozent gesenkt - nahmen die Männer das Medikament regelmäßig, sogar um 73 Prozent. Eine Untersuchung an 4800 Paaren in Kenia und Uganda, von denen einer der Partner HIV-positiv war, erbrachte einen Schutz von 75 Prozent. Eine vergleichbare Studie in Botswana führte mit 63 Prozent Schutz zu einem ähnlichen Ergebnis.

Wir begrüßen die Entscheidung der FDA und halten sie für einen wichtigen Schritt, um die HIV-Epidemie in den Griff zu bekommen", sagt Kevin Fenton, Direktor der für HIV zuständigen Abteilung der US-Seuchenschutzbehörde CDC. "Alles deutet darauf hin, dass die regelmäßige Einnahme des Mittels sicher und effektiv das Risiko einer HIV-Übertragung senkt."

Auch UNAIDS, die Initiative der Vereinten Nationen im Kampf gegen HIV, unterstützt die als Prä-Expositionsprophylaxe bezeichnete vorbeugende Behandlung von Risikogruppen, zu denen beispielsweise Menschen gehören, die mit einem infizierten Partner zusammenleben.

Alle Experten sind sich allerdings einig, dass die medikamentöse Vorbeugung allein selbst bei rigoroser Anwendung keinen vollständigen Schutz bietet. Sie sollte ergänzt werden durch Kondomgebrauch, Beratung und Aids-Tests. Bei Menschen, die bereits mit dem Virus infiziert sind, aber es nicht wissen, können sich Resistenzen bilden. Zudem kann Truvada die Knochen und die Nieren schädigen und eine Infektion mit Hepatitis B verschlimmern, weshalb bei der Einnahme auf Nebenwirkungen geachtet werden sollte. "Es kann eine wichtige Hilfe in der Vorbeugung von Aids werden, ist aber sicher nicht für jeden geeignet", sagt Fenton.