Alzheimer Experten warnen vor dramatischer Zunahme der Demenz

44 Millionen Menschen leben weltweit mit einer Demenz. Das sind 20 Prozent mehr als noch vor drei Jahren. Die Zahlen werden weiter steigen. Experten sprechen von einer globalen Epidemie.

Die Zahl der Demenzkranken ist in den vergangenen drei Jahren weltweit um knapp ein Viertel gestiegen. Wie aus einer am Donnerstag von der Organisation Alzheimer Disease International veröffentlichten Bilanz hervorgeht, gibt es derzeit rund 44 Millionen Demenzfälle weltweit; das sind 22 Prozent mehr als vor drei Jahren. Bis 2050 wird mit einer Verdreifachung der Fälle auf dann 135 Millionen gerechnet.

Der Chef von Alzheimer Disease International, Marc Wortmann, sprach von einer globalen Epidemie. Es werde "immer schlimmer". Die Zahl der älteren Menschen mit Alzheimer werde "dramatisch" zunehmen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) müsse die Behandlung von Demenz zu einer ihrer Prioritäten machen.

Der Studie zufolge lebt derzeit knapp ein Drittel der Demenzkranken in reichen Staaten, die große Mehrheit aber in Ländern mit mittleren und niedrigen Einkommen, wo der Zugang zu der benötigten Unterstützung und Pflege "sehr eingeschränkt" sei.

Das britische Gesundheitsministerium bezeichnete Alzheimer als "eine wachsende weltweite Herausforderung". Ein Sprecher forderte, dass sich der G-8-Gipfel in der kommenden Woche mit dem Thema befassen müsse. Die G-8-Länder müssten Demenz "erstmals als globale Angelegenheit" behandeln.

Drei Millionen deutsche Demenzkranke im Jahr 2050

Auch in Deutschland steigt die Zahl der Demenzkranken. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft wird sich die Zahl der Erkrankten hierzulande von heute 1,4 Millionen bis zum Jahr 2050 auf etwa drei Millionen erhöhen, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt. Zwei Drittel der Betroffenen leiden an Alzheimer, der häufigsten Form der Demenz. "Die Zahlen sind erschreckend", sagte ein Sprecher der Alzheimer-Gesellschaft in Berlin.

Nötig sei auch ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff. Experten fordern seit langem die Umsetzung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, damit Menschen mit Demenz und psychischen Erkrankungen bessere Leistungen aus der Pflegeversicherung bekommen.

Zur Umsetzung heißt es dazu im Koalitionsvertrag von Union und SPD eher vage, der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff solle "in dieser Legislaturperiode so schnell wie möglich" eingeführt werden.