Allergien vorbeugen Revival der Rohmilch

Wissenschaftler finden zunehmend Hinweise, dass unbehandelte Milch vor Allergien und Asthma schützen kann. Andererseits birgt sie die Gefahr schwerer Infektionen. Für wen welche Milch sinnvoll ist.

Von Kathrin Burger

Stallluft und Rohmilch scheinen Allergien vorzubeugen. Warum das so ist, muss noch erforscht werden.

(Foto: Getty Images)

Die moderne Milchproduktion hat nichts von Bauernhof-Romantik, sie ist eine hoch technologisierte Angelegenheit. Während viele Kinder nach dem Krieg noch mit der Milchkanne zum Bauern gingen, um das euterwarme Lebensmittel direkt nach Hause zu tragen, nimmt die Milch heute meist einen langen Weg, bevor sie beim Verbraucher landet. Das soll vor allem dessen Sicherheit dienen. Aber womöglich bringt es auch neue Krankheiten mit sich.

Üblicherweise wird die Milch nach dem maschinellen Melkvorgang erst einmal gekühlt und einige Tage gelagert, bevor sie zur Molkerei transportiert wird. Dort folgt die Pasteurisierung - die Milch wird auf über 70 Grad Celsius erhitzt und sofort wieder abgekühlt. Soll sie als H-Milch besonders lange haltbar sein, erfährt sie sogar Temperaturen von bis zu 150 Grad. Die ESL-Milch wird auf 135 Grad gebracht, wenn sie nicht durch Filtrieren länger haltbar gemacht wird. Erhitzen und Kühlen gewährleisten, dass die Milch keine schädlichen Keime, wie Campylobacter, Listeria oder die besonders gefährlichen Ehec-Bakterien enthält.

Wichtige Nährstoffgehalte wie Eiweiß, Kalzium und Vitamine werden durch das Pasteurisieren und das ESL-Verfahren zwar kaum beeinträchtigt. Dennoch könnte die Hitzebehandlung der Milch negative Folgen haben. Womöglich ist sie mitverantwortlich für die Zunahme von Allergien und Asthma in der Bevölkerung, geben Wissenschaftler zu bedenken.

Hinweise darauf liefern mittlerweile 15 epidemiologische Studien aus Ländern wie Deutschland, den USA und Australien. Eine griechische Studie vom Mai 2012 wies zudem darauf hin, dass Menschen mit Multipler Sklerose als Kind besonders selten Rohmilch getrunken haben - was an sich allerdings für sich betrachtet kaum Aussagekraft hat.

Somit interessiert sich die Forschung nunmehr für das mögliche gesundheitsfördernde Potenzial der Rohmilch. Im vergangenen Jahr fand in Prag ein Symposium zum Thema "Raw Milk - Health or Hazard?" statt. Dort wurden unter der Leitung von Ton Baars vom Schweizer Forschungsinstitut für Biologischen Anbau, die möglichen Vorteile und Gefahren des Rohmilch-Konsums diskutiert.