Heuschnupfen Ambrosia könnte Zahl der Pollen-Allergiker verdoppeln

Die Ambrosiapflanze stammt ursprünglich aus Nordamerika.

(Foto: dpa)

Der Klimawandel hilft hoch allergenen Ambrosiapflanzen bei der Ausbreitung. Und: Das Kraut ist kaum auszumerzen.

Von Hanno Charisius

Der Klimawandel könnte innerhalb der nächsten Jahrzehnte eine Heuschnupfenwelle in Europa auslösen. Das prognostizieren Modellrechnungen des EU-Forschungsprojekts "Atopica". Durch die höheren Temperaturen breiten sich möglicherweise allergieauslösende Ambrosia-Gewächse stark aus. In der Folge könnte sich die Zahl der Allergiker in Europa von heute 33 Millionen bis zum Jahr 2050 auf 77 Millionen mehr als verdoppeln, berichtet das Forscherteam im Fachjournal Environmental Health Perspective.

Der Klimawandel hilft den Ambrosia-Gewächsen bei der Ausbreitung in Europa

Das Beifußblättrige Traubenkraut zählt zu den Ambrosia-Gewächsen und stammt ursprünglich aus Nordamerika. Bereits im 19. Jahrhundert wurde die Pflanze nach Europa eingeschleppt und breitet sich seither auf dem Kontinent aus. Während der Blüte setzen sie Millionen Pollen frei und dieser Blütenstaub zählt zu den stärksten bekannten Allergenen. Weil Pollenallergien weltweit ein zunehmendes Problem im öffentlichen Gesundheitswesen darstellen, wollte das Team um die Allergologin Michelle Epstein von der Medizinischen Universität Wien herausfinden, wie sich die Pflanzen verhalten, wenn die globalen Temperaturen steigen.

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Die Forscher zogen ein Klimamodell mit moderatem Temperaturanstieg von 1,4 Grad Celsius bis zum Jahr 2050 heran und berechneten anhand aktueller Verbreitungskarten des Unkrauts, wie sich die Pflanze in den nächsten 35 Jahren ausbreiten könnte und wie viele Menschen davon betroffen wären. Der Allergologe Thomas Fuchs von der Universitätsmedizin Göttingen warnt aber vor übertriebenen Sorgen, "in der täglichen Praxis spielen Ambrosia-Allergien in den meisten Teilen Deutschlands bislang keine große Rolle." Damit dies auch so bleibe, müssten endlich gezielte Bekämpfungsstrategien entwickelt werden.

Das Traubenkraut wieder loszuwerden sei eine gewaltige Aufgabe, sagt Epstein, "schwierig und teuer". Es gibt noch nicht einmal einheitliche Empfehlungen zur Bekämpfung. Herausreißen ist die wirkungsvollste Maßnahme - aber nicht praktikabel auf Äckern, die mit der invasiven Pflanze verseucht sind. Unkrautvernichtungsmittel bringen wieder eigene Probleme mit sich. Epstein und ihre Kollegen wollen als nächstes Bekämpfungsstrategien entwickeln. Für sie steht allerdings bereits jetzt fest, dass eine Nation dieses Problem nicht alleine für sich lösen kann. "Ein Pollenkorn kann durch den Wind bis zu 1000 Kilometer weit transportiert werden", erklärt Epstein. Selbst wenn Deutschland das Kraut erfolgreich bekämpfen würde, es wäre sinnlos, wenn die Nachbarländer nicht mitziehen.

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