ADHS und Ritalin Wir haben längst amerikanische Verhältnisse

Immer mehr Eltern entscheiden sich hierzulande, ihren überaktiven Kindern Ritalin zu geben. Um diese Entwicklung zu stoppen, sollten vielleicht Mütter und Väter einfach mal selbst so eine Pille probieren.

Ein Kommentar von Guido Bohsem, Berlin

In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr Eltern in Deutschland dafür entschieden, ihre überaktiven Kinder mit Ritalin zu behandeln. Was meist als abschreckendes Beispiel, als Dystopie, beschrieben wird, ist in diesem Fall längst Wirklichkeit geworden: Beim Thema Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) und ihrer Bekämpfung mit Medikamenten hat man auch in der Bundesrepublik die oft beschworenen US-amerikanischen Verhältnisse längst erreicht.

Wer nach den Gründen sucht, tut sich schwer. Einerseits entspricht die Behandlung mit Medikamenten dem medizinischen Standard. Andererseits kann man auch feststellen, dass in Gegenden mit vielen Kinder- und Jugendpsychiatern auch besonders viele Kinder und Jugendliche an ADHS leiden. Ein Zusammenhang zwischen ärztlichem Angebot und Krankheit scheint also zu bestehen. Auffällig ist aber auch, dass besonders viele Kinder aus sozial schwachen Schichten mit Ritalin behandelt werden. Akademiker-Haushalte agieren zurückhaltender.

Vielleicht sollte man die Behandlung einfach erweitern. Bevor Ritalin verordnet werden kann, sollte jeder Vater und jede Mutter einfach mal selbst so eine Pille probieren. Die Eltern würden sofort erkennen, wie potent und mächtig und Bewusstseins-ändernd dieses Mittel ist, das sie ihren Kindern zumuten möchten. Vielleicht kommen sie dann zu dem Schluss, es doch noch einmal anders zu versuchen.