Gefährliche Plastik-Weichmacher und Gifte wie DDT sind verboten. Trotzdem sind Kinder in Deutschland den Substanzen in einem bedenklichen Ausmaß ausgesetzt.

Jahresbericht des Umweltbundesamtes, Kinder mit verbotenen Chemikalien belastet

Beschlagnahmtes Spielzeug mit gefährlichem Weichmacher. (Foto: ddp)

Trotz Verboten sind bedenkliche Plastik-Weichmacher und Gifte wie DDT bei Kindern in Deutschland allgegenwärtig. Das zeigt eine Studie des Umweltbundesamtes.

Die Experten der Behörde fanden Spuren der gefährlichen Stoffe bei allen 1790 untersuchten Jungen und Mädchen. Zum Teil sei die Konzentration von Weichmachern bedenklich, sagte UBA-Präsident Andreas Troge.

Auch Schimmel werde zunehmend zum Problem. Umweltminister Sigmar Gabriel zeigte sich alarmiert, dass arme Kinder teils stärker belastet sind als reiche.

Troge berichtete bei der Vorstellung des UBA-Jahresberichts über den Kinder-Umwelt-Survey, der von 2003 bis 2006 erstmals gezielt Urin- und Blutproben und das Lebensumfeld von Kindern zwischen drei und 14 Jahren unter die Lupe nahm. Die Ergebnisse seien für Deutschland repräsentativ.

Es gebe aber auch Erfolge zu vermelden, sagte Troge. So sei die Belastung der Kinder in Deutschland mit Schwermetallen, dem in Holzschutzmitteln eingesetzten Pentachlorphenol oder den polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen seit Anfang der 90er Jahre gesunken.

Bei anderen Stoffen lässt der Erfolg auf sich warten. So wurden das einst zur Malariabekämpfung eingesetzte DDT und andere gefährliche Stoffe wie PCB oder HCB seit den 70er Jahren im Westen verboten. Doch seien sie weiter im Fettgewebe des Menschen gespeichert.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (rechts) und der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, stellen den Umweltbundesamt-Jahresbericht vor. (Foto: dpa)

Proben gestillter Kinder weisen dabei deutlich höhere Gehalte dieser sogenannten persistenten Stoffe auf als nicht gestillte, wie Troge sagte. Dennoch überwögen die Vorteile des Stillens.

Belastung durch Schimmelpilze

Überrascht zeigten sich die UBA-Forscher über die zunehmende Belastung der Kinder mit Schimmelpilzen. Acht Prozent der Kleinen zeigen sich sensibel gegenüber Innenraum-Schimmelpilzen, sind also bereits mit ihnen in Kontakt gekommen.

Schimmel kann unter anderem zu Allergien oder Atemwegserkrankungen beitragen.

Hintergrund ist laut UBA eine zunehmende Verbreitung solcher Pilze in Innenräumen, was wiederum mit schlechter Lüftung in besser isolierten Wohnungen zu tun habe. Gabriel betonte, dass dies nicht gegen die bessere Dämmung zum Energiesparen sprechen könne. Gleichwohl sei mehr Information nötig.

Ebenfalls für die Experten alarmierend: 14 Prozent der untersuchten Kinder haben eine Vorschädigung des Gehörs, drei Prozent sogar einen ersten Hörverlust. Troge vermutete als Ursache das „Freizeitverhalten“: zu lauter Musik.

Eine erhebliche Gefahr ist der Studie zufolge der Zigarettenqualm der Eltern. Jedes zweite Kind lebt mit mindestens einem Raucher zusammen, wie die Daten zeigen. Folge sind des Passivrauchens sind zum Beispiel häufigere Mittelohr-Entzündungen oder Infektionen.

Mit Rauch seien Kinder aus niedrigen sozialen Schichten stärker belastet, ebenso mit Blei, weil sie häufiger in billigen Wohnungen an belebten Straßen wohnen, wie das UBA vermutet. Andere Schadstoffe fand die Studie jedoch häufiger bei Kindern reicher Eltern, so etwa Organophosphat-Pflanzenschutzmittel. Troge vermutete belastete Fruchtsäfte als Ursache.

Der UBA-Jahresbericht selbst legt auch besonderes Gewicht auf Klimaschutz und Schonung natürlicher Ressourcen. Dies bleibe zentrale Aufgabe der Umweltpolitik, sagte Gabriel: „Wir haben keine Zeit zu verlieren.“ Er drohte, falls sich die Wirtschaft nicht freiwillig auf ressourcen- und Energie sparende Methoden einlasse, müsse man diese notfalls mit Vorschriften durchsetzen.

(AP)

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Leserkommentare (1)



29.08.2007 17:54:52

EvaKruemmel: zu Jack11: Traurige Wahrheit

Vielleicht verstehe ich Sie ja falsch, aber es ist leider eine Tatsache, dass Kinder aus ärmeren Verhältnissen in der Regel eine schlechtere Ernährung haben, und damit auch mehr Giftstoffe aufnehmen. Dieses Muster finden wir auch in Nordamerika, und es liegt daran, dass Giftstoffe sich im Fettgewebe ansammeln. Schlechtere Ernährung heißt meistens mehr Fett, und weniger Obst und Gemüse. Grundsätzlich wird dabei höher in der Nahrungskette gegessen. Da die Giftstoffe sich für jedes weitere Glied in der Nahrungskette vermehrt akkumulieren, nimmt man höhere Dosen auf, wenn man Tiere ißt, die andere Tiere essen (nennt sich 'biomagnification' im Englischen).

Davon ab finden wir die im Artikel genannten Giftstoffe leider überall (habe gerade erst mein eigenes Blut analysiert, und finde sie dort genauso wie in Lachsen, Wasser, Luft und Sedimenten, und zwar auch in der Arktis). Weil sie so persistent sind, zirkulieren sie munter in der Umwelt, verboten oder nicht. Den Schluß, den wir ziehen sollten ist, keine neuen persistenten Giftstoffe in die Umwelt zu entlassen. Leider findet dies im großen Stil weiterhin statt, z.B. haben 'PBDEs' die nun verbotenen PCBs ersetzt, und sind letztlich genauso schädlich.


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