Die Brustkrebsrate in den USA geht zurück. Entstehen weniger Tumore, weil weniger Hormone genommen werden?
An den Zahlen ist nicht zu rütteln: 6,7 Prozent weniger Brustkrebsfälle sind in den USA 2003 diagnostiziert worden als 2002 - 14 000 Frauen weniger sind an dem Tumor erkrankt. Dieser Rückgang geht zeitlich mit einem Rückschlag für die Hormontherapie in den Wechseljahren einher: Im Juli 2002 war eine Studie der Women’s Health Initiative (WHI) abgebrochen worden, weil sich zeigte, dass Frauen, die Hormone nahmen, häufiger Brustkrebs, Herzinfarkte und Schlaganfälle bekamen.
Peter Ravdin und Donald Berry vom Krebs-Zentrum der Universität Texas in Houston hatten die Zahlen bereits im Dezember während einer Tagung in San Antonio vorgestellt und damit Aufsehen erregt (SZ, 19.12.). Am heutigen Donnerstag erscheinen die vollständigen Daten im New England Journal of Medicine (Bd. 356, S.1670, 2007). Ravdin und Berry sagen zwar selbst, dass ,,Epidemiologie keine Kausalität begründen kann‘‘. Andererseits fällt ihnen nach Analyse der Zahlen und anderer möglicher Einflussfaktoren keine andere Erklärung ein, warum 2003 der stärkste Rückgang der Brustkrebsfälle seit 1945 stattfand.
Die beiden populärsten Hormonpräparate in den USA sind 2001 noch 61 Millionen Mal verschrieben worden. 2003 wurden die Mittel nur noch 27 Millionen Mal verordnet, im Jahr 2004 sank die Zahl der Verschreibungen weiter auf 21 Millionen und es wurden auch wieder etwas weniger Brustkrebserkrankungen diagnostiziert. Alexander Katalinic, Sprecher der Krebsregister in Deutschland sieht hierzulande einen ähnlichen Trend.
Nachdem die WHI-Studie 2002 bekannt wurde, wollten viele Frauenärzte nicht wahrhaben, dass Hormone schaden können. Die Internationale Menopausegesellschaft erklärt zur aktuellen Studie, dass es ,,zu früh und wissenschaftlich unbegründet‘‘ sei, den Rückgang der Krebsfälle mit der gesunkenen Bereitschaft der Frauen zu erklären, Hormone zu nehmen.
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