Babyschwimmen ist beliebt. Doch viel Chlor im Wasser birgt offenbar Gesundheitsrisiken für die Kleinen - sehr wenig Chlor allerdings auch.
Beliebter Sport für Babys Foto: medical-tribune
18.10.2007, 06:502007-10-18T06:50:00 CEST+0200
Babyschwimmen ist beliebt. Doch viel Chlor im Wasser birgt offenbar Gesundheitsrisiken für die Kleinen - sehr wenig Chlor allerdings auch.
Beliebter Sport für Babys Foto: medical-tribune
Die Chlor-Desinfektion in öffentlichen Schwimmbädern gerät zunehmend ins Fadenkreuz der pneumologischen Ursachenforschung in Sachen Asthma und allergische Sensibilisierungen. Auf dem Jahreskongress der European Respiratory Society (ERS) wurde dieses Risiko in mehreren Studien untermauert.
Problematisch sind in erster Linie die Chloroform und Trichloramin enthaltenden Aerosole unmittelbar über der Wasseroberfläche, wie Marc J. Nickmilder aus Brüssel berichtete. Denn diese Aerosole werden von den Schwimmbadnutzern eingeatmet und begünstigen offenbar die Entwicklung von Asthma und anderen allergischen Sensibilisierungen.
Dieses Risiko gilt nicht nur für Hallen-, sondern auch für Freibäder. In einer belgischen Untersuchung wiesen Jugendliche, die im Laufe ihres Lebens mehr als 500 Stunden in Freibädern zugebracht hatten, im Vergleich zu gleichaltrigen Schwimmbad-Muffeln ein dreifach erhöhtes Asthmarisiko auf.
Die Asthma-Gefährdung durch chlorierte Schwimmbäder zeigt sich auch in einer anderen belgischen Studie. Bei Zehnjährigen, die als Babys regelmäßig von ihren Eltern zum Babyschwimmen gebracht wurden, fand man gegenüber Gleichaltrigen erhöhte Asthmaraten.
Mit Richtwerten von 0,03 0,6 parts per million liegen die Chlorgas-Richtwerte in deutschen Schwimmbädern deutlich niedriger als im Rest Europas mit Richtwerten von eins bis drei parts per million. Die Chlorgasbelastung trifft deutsche Kinder demnach vor allem in den meist überchlorierten Hotelschwimmbädern südlicher Urlaubsländer.
Dafür sind die niedrigen deutschen Richtwerte mit anderen Risiken behaftet, wie eine Auswertung der LISA-Studie (Lifestyle - Immune-System - Allergy) ergeben hat. Yvonne Schoefer vom Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in München berichtete, dass die Kinder der Studie, die regelmäßig am Babyschwimmen teilnahmen, tendenziell höhere Infektionsraten aufwiesen und im ersten Lebensjahr signifikant häufiger an Durchfällen litten. Offenbar bieten die niedrigeren Chlorkonzentrationen in Deutschland keinen ausreichenden Schutz vor Magen-Darm-Infektionen.
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