Snowboarder wollen keine Allerweltsprodukte - die Skipisten sind deshalb zum White Cube geworden.
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Ein Board ist mehr als ein Brett. Foto: AFP
Skipisten sind längst nicht mehr nur fahrbare Hänge, sie sind zum White
Cube geworden: In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Skigebiete und Halfpipes zur weißen Ausstellungsfläche des alpinen Raums gewandelt. Individuelles Design spielt bei Snowboards schon immer eine wesentlich größere Rolle als bei Skiern. Vor dem neutralen Hintergrund des Schnees knallen die bunten, aufwendigen Snowboarddesigns ins Auge, die oft von renommierten Künstlern gestaltet werden.
Das Artwork des diesjährigen Burton Vapor zum Beispiel übernahm die New Yorker Graffiti-Legende Futura 2000, der als Gründer der abstrakten Streetart gilt. "Ein Board muss heute Aufmerksamkeit erregen und absolut einzigartig sein", begründet David Farcot, Designchef bei Salomon Snowboards, die Kunst auf Brettern. Für ihn entwirft unter anderen einer der Undergroundstars des Grafikdesigns, Geoff McFetridge.
Farcot betont, dass es nicht nur auf die Zeichnungen ankommt, sondern auch auf die speziellen Druckverfahren, die Auswahl der Farben und das Material der Boards. Salomon benutzt vermehrt Bambus, weil er leichter und umweltfreundlicher als Fiberglas und Kunstharz ist, und nicht zuletzt weil er jedem Snowboard eine eigene, besondere Textur verleiht.
Das Material und vor allem der Umriss des Bretts, der für den Boarddesigner so etwas wie der Rand der Leinwand für den Maler ist, sind auch für den kreativen Prozess der Künstler wichtig. Die technische Umsetzbarkeit sei dabei immer ein limitierender Faktor, sagt Nicolas Thomas, ein angesehener Maler der Boardculture aus Frankreich, der seit 15 Jahren für APO Snowboards arbeitet: "Man muss sich schon an die Form gewöhnen und beim Zeichnen immer dran denken, dass ein Teil des Artworks von den Bindungen verdeckt wird. Außerdem muss man darauf achten, dass die Arbeit auch auf das Board gedruckt werden kann."
In der Regel setzt der Künstler sein auf Leinwand oder am Computer gezeichnetes Bild auf eine Vorlage, die genau die Größe und Form des zu bedruckenden Snowboards hat. Aus den Vorlagen werden Siebdrucke hergestellt; in mehreren Sitzungen wird das Design schließlich auf das Snowboard gezogen. "Der Druckprozess ist sehr wichtig: Er kann aus einem guten Artwork ein faszinierendes Kunstwerk machen", sagt David Farcot.
Dabei ist wichtig, dass die oft aufwendigen Designs auf Ober- und Unterseite des Bretts nicht vom Original abweichen und die Farben kräftig sind. In jüngster Zeit wurden gerade die wieder greller. "Seit etwa drei Jahren sind fluoreszierende Farben gefragt, das ändert sich zwar gerade, trotzdem sind wir immer noch dabei, die achtziger Jahre noch einmal neu zu interpretieren, vor allem die Skateboard-Designs von damals", sagt Nicolas Thomas.
Und so spielen aufdringliche Farbgebung und extreme Kontraste derzeit in beiden Schulen des Snowboard-Designs eine wichtige Rolle: Sowohl in der eher mit geometrischen Figuren und Schriftzügen spielenden Richtung als auch in der von Malerei und Streetart inspirierten Schule, zu der Nicolas Thomas oder der Amerikaner Mike Parillo gehören. Parillo malt seit mehr als zehn Jahren für Lib Tech Snowboards.
Sein Weg zum Board-Künstler war der von vielen aus dieser Szene. Er war Snowboarder, der nebenher Kunst machte. Irgendwann fragte ihn ein befreundeter Profi, ob er nicht die Grafik für eines seiner Modelle entwerfen könnte. Parillo machte das so gut, dass er Folgeaufträge erhielt. Er entwickelt wie viele seiner Kollegen die Designs zusammen mit den Fahrern. "Sie entscheiden, inwieweit sie involviert sein wollen. Ich halte mich zurück oder mische mich ein, wie auch immer", sagt Mike Parillo, der die Vorstellungen der Fahrer als ideale Inspirationsquelle schätzt.
Oft entstehe erst in der Zusammenarbeit herausragendes Artwork und das sei unverzichtbar, glaubt Parillo: "Es fügt dem Erlebnis des ultimativen Glücks beim Fahren noch etwas hinzu. Du schaust auf dein Board, siehst was da an deinen Füßen hängt, das gibt dir einfach noch ein kleines Extra."
(SZ vom 02.02.2009/bilu)
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