Nachteil für Kassenpatienten: Wer privat versichert ist wartet kürzer auf einen Termin beim Arzt. Mehr Honorar bedeutet offenbar eine kürzere Wartezeit.
Kassenpatienten müssen länger auf einen Termin beim Arzt warten als Privatpatienten. Sitzt der gesetzlich Versicherte erst einmal in der Praxis, muss er Zeit und Demut mitbringen. Langsamer ins Sprechzimmer wird er nämlich auch gebeten. Hausärzte praktizieren diese ungleiche Behandlung weit weniger häufig als ihre Kollegen, die sich auf ein Fachgebiet spezialisiert haben.
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Wer weniger warten will, muss mehr zahlen - sagt eine Studie der Kassenärztlichen Vereinigung. (© Foto: AP)
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Diese Erkenntnisse sind ungefähr so überraschend wie das Erlebnis der Nässe beim Eintauchen in ein Wannenbad. Man lebt, man lernt. Und trotzdem hat sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) die Mühe gemacht, diesen nicht gerade spärlich dokumentierten Umstand erneut aufzuarbeiten. Sie beauftragte dazu die renommierte Forschungsgruppe Wahlen, die insgesamt mehr als 6100 Patienten befragte - nach der Zufriedenheit der Deutschen mit ihren Medizinern (sehr hoch), nach der Einschätzung der Kompetenz (sehr hoch), nach ihrem Vertrauensverhältnis (gut bis sehr gut) und eben nach den Wartezeiten.
Lange Wartezeiten
30 Prozent aller gesetzlich Versicherten bekommen sofort einen Termin. Bei den Privatpatienten sind es 39 Prozent. Etwa doppelt so viele Kassenversicherte müssen drei Wochen oder länger auf einen Termin warten, und das obwohl manche von ihnen über akute Beschwerden klagen. In der Praxis sehen 51 Prozent der Privatpatienten innerhalb von 15 Minuten den Arzt aber nur 39 Prozent der Kassenversicherten. Dennoch, so bilanziert KBV-Chef Andreas Köhler zufrieden, 80 Prozent sei es egal gewesen, dass sie auf Termine warten mussten.
Weil im deutschen Gesundheitswesen alles relativ ist, fällt die KBV-Umfrage um einiges freundlicher aus als die Anfang April veröffentlichte des Instituts für Gesundheitsökonomie der Universität Köln. Die Wissenschaftler kamen zum Ergebnis, dass Kassenpatienten etwa dreimal so lange beim Arzt warten müssen wie Privatversicherte und bilanzierte eine "Zweiklassenmedizin". Der - derzeit beurlaubte - Direktor des Instituts ist der SPD-Abgeordnete und Buchautor Karl Lauterbach ("Der Zweiklassenstaat"). Lauterbach setzt sich seit Jahren für die Abschaffung der privaten Krankenversicherung ein, um die Unterschiede in der Behandlung zu beenden.
Kostenlose Arbeit
Klar, dass der Ärztevertreter Köhler diesen Weg für den falschen hält. In der Analyse über die Ursachen der unterschiedlichen langen Wartezeiten stimmt er allerdings mit dem in der Ärzteschaft wohl bestgehassten Politiker Deutschlands überein: Es hängt am Geld. "Privatversicherte sind für die meisten Praxen lebensnotwendig, weil es dort keine Budgets gibt und die Vergütung besser ist", sagt er.
Durch den Kostendeckel auf den Ärztehonoraren müssten die Mediziner etwa 30 Prozent ihrer Arbeit umsonst erledigen, so behaupten die Standesvertreter. Falle die Ausgabengrenze weg und könnten die Ärzte die Behandlung der Kassenpatienten so abrechnen wie die der Privatversicherten, werde es auch keine Unterschiede mehr bei den Wartezeiten geben. Der niedrigste Honorarsatz reiche dafür aus. Kostenpunkt des Vorschlages: etwa 7,6 Milliarden Euro. Mehr Geld oder weiter warten - so lautet offenbar die Devise der Ärzteschaft.
Wären damit Unterschiede zwischen den Versicherten endlich angeglichen? Natürlich nicht, denn der Arzt nimmt vom Privatpatienten in der Regel den 2,3-fachen Satz, und damit mehr, als von Köhler vorgeschlagen. Um das zu finanzieren, müsste noch einmal ein zweistelliger Milliardenbetrag her. Also: Der Kassenpatient wartet weiter.
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(SZ vom 21.08.2008/tob)
Atomkraftwerke
Dieser Artikel suggeriert mal wieder die Privatpatienten würden das 2.3 fache zahlen von dem was GKV versicherte zahlen. Das ist so aber Blödsinn, denn 2.3 fach bezieht sich auf die Privatverrechnungssätze. Die Honorarordnung in der GKV ist vollständig anders als die der PKV und wird maßgeblich von den Standesvertretern der Ärzte, den KVen mitbestimmt.
Es ist sogar so, dass nicht jede Leistung im Privatsystem besser bezahlt wird.
Letztendlich muss man sich aber fragen wieso wir nicht ein System von angestellten Ärzten aufbauen, dann hätte es auch ein Ende damit, dass einem regelmäßig Untersuchungen angedreht werden, die nur dem Ziel dienen die Kasse des Mediziners zu füllen.
Annabelle-Marie:Na ja, wenn jemand im Flugzeug den Preis für ein Ticket der Business-Klasse bezahlt hat, muss er sich ja auch nicht in die Holzklasse setzen.
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nur, dass fluggesellschaften private wirtschaftl. unternehmen sind und nicht zum staatlichen sozialsicherungssystem unseres landes gehören.
das hieße äpfel mit birnen vergleichen.
"Wenn ich mehr als doppelt soviel für die ärztliche Behandlung bezahle als ein Kassenpatient, darf ich doch davon ausgehen, dass ich mehr Service bekomme, eine kürzere Wartezeit zum Beispiel."
Ich bin juristisch gesehen Single und zahle den Höchstbetrag in die gesetzlichen Kassen. Nach Ihrer Logik muss mir der Arzt einen Hausbesuch abstatten oder wie der Ire sagt, eine "Bed and Blowjob" Luxusversorgung spendieren.
Ich befürchte allerdings, dass ich heute wunderbar solidarisch bin und mit meinen hohen gesetzlichen Beiträgen jedermann subventioniere, meiner Solidarität heute jedoch kein nennenswerter Solidarbeitrag der Gesellschaft entgegensteht wenn ich mal alt bin.
Eine private Kasse werde ich mir als BFA Versicherter nicht leisten können, denn ich bin nicht mit entsprechend hohen Pensionsansprüchen verbeamtet und darf auch nicht meine Rentenbeiträge in Versorgungswerke einzahlen wie es Juristen, Mediziner und Apotheker dürfen.
Extrapoliere ich die Entwicklung der gesetzlichen Rente und die ständig steigenden Beitragssätze der Kassen, so dürfte ich als Privatpatient heute sparen, dafür im Alter meine Rente direkt an die Krankenkasse überweisen lassen. Ich fürchte daher vor der Wahl zu stehen entweder als Privatpatient im Alter Pleite zu sein oder heute als gesetzlicher unverschämte Beiträge zahlen zu müssen. Die Krankenkassenabgaben z.B. auf ausbezahlte Lebensversicherungen und Betriebsrenten sind heute bereits eine Frechheit, denn viele Arbeitnehmer müssten auf diese Gehaltsbestandteile auch heute keine Krankenkassenbeiträge bezahlen.
Nein, da wird das Thema nun schon wieder recycled und Öl in das Feuer des Neides gekippt. Tja, wenn man keine neuen Enthüllungen und Aufreger hat, dann holt man eben die Leichen aus dem Keller und verkauft eine ausgetrockenete Mumie als blutjunges Topmodell.
Möge der Sommer bald enden.
Na ja, wenn jemand im Flugzeug den Preis für ein Ticket der Business-Klasse bezahlt hat, muss er sich ja auch nicht in die Holzklasse setzen. Wenn ich mehr als doppelt soviel für die ärztliche Behandlung bezahle als ein Kassenpatient, darf ich doch davon ausgehen, dass ich mehr Service bekomme, eine kürzere Wartezeit zum Beispiel.
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