Amerikaner verfolgen im Internet, wo Eigenheime zwangsversteigert werden - ein neues Hobby in der Krise.
Es ist so etwas wie das Hobby der Krisenzeit geworden - und zwar ein makabres. In Amerika schaut man dieser Tage gerne mal auf Websites wie foreclosure.com, realtytrac.com oder hotpads.com. Die Internetseiten zeigen detailliert auf Landkarten, wo wie viele Häuser gerade zwangsversteigert werden. Hier informiert sich, wer günstig ein Haus kaufen will. Oder wer einfach nur sehen möchte, wie es um das Haus der Nachbarn steht. Müssen die Smiths schon verkaufen? Recht so. Oder: ach, die Armen.
Je röter eine Region, desto schlimmer: Dunkelrot heißt, dass bei einem von 150 Häusern gerade die Versteigerung droht. (© Grafik: SZ; Quelle: hotpads.com)
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Die Zwangsversteigerungen waren eines der ersten Symptome der Krise. Hier fing es an, bei irgendeinem Haus in irgendeinem Vorort. Wo jemand in guten Zeiten einen Hauskredit bekommen hat - ohne Einkommensnachweis, ohne Garantien, ohne Eigenkapital. Einen Kredit, bei dem er zunächst nur Zinsen zahlen musste und keine Tilgung. Alles war möglich im Boom vergangener Zeiten.
Elektronische Friedhöfe
Und dieser Jemand konnte irgendwann sogar die Zinsen nicht mehr zahlen, hatte seinen Job verloren oder etwas Ähnliches war geschehen. Die Preise der Immobilien sanken. Und plötzlich war die Hypothek höher als der aktuelle Wert des Hauses. Dann kam Post: vorbei, Schluss, ein banaler Zettel an der Tür: Dieses Haus wird zwangsversteigert. Aus der Traum vom Eigenheim, aus der Traum von einer Nation, die dachte, dauerhaft auf Kredit leben zu können.
Die Internetseiten sind nun zu den elektronischen Friedhöfen der Immobilienkrise geworden. Anstatt Grabsteinen kleine Häuschen auf bunten Karten. Je röter eine Region, desto schlimmer: Dunkelrot heißt, dass bei einem von 150 Häusern gerade die Versteigerung droht. Jedes Häuschen ein Umzug, viele Schicksale.
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