Von Sebastian Gierke

Zusatzversicherungen sind in Deutschland sehr verbreitet. Doch was bringt der ergänzende Schutz?

Immer mehr Menschen schließen Zusatzversicherungen ab. Laut einer Umfrage eines privaten Versicherungsunternehmens besitzen fast 50 Millionen Menschen hier zu Lande inzwischen eine.

Pflegeheim, dpa

Kann teuer werden: In manchen Fällen ist es sinnvoll, sich gegen die Kosten eines Pflegeheims abzusichern. (© Foto: dpa)

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Sehr beliebt sind Zahnersatzversicherungen. Auch eine Auslands-Krankenversicherung haben bereits mehr als 20 Millionen Deutsche abgeschlossen. Dazu kommen noch Krankenhaus-Policen, eine zusätzliche Pflegeversicherung oder Brillenversicherungen.

Doch nicht in jedem Fall sind diese Versicherungen notwendig und sinnvoll. Für Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, sind Zusatzversicherungen "Luxuspakete, die etwas absichern, was einen aber finanziell ohnehin nicht ruinieren würde." Ausnahme sei, in einigen Fällen, die zusätzliche Pflegeversicherung.

Objektive Beratung schwer zu bekommen

Deshalb sollte man, laut Wortberg, immer abwägen, ob man sich eine Zusatzversicherung leisten kann, ohne sich an anderer Stelle über Gebühr einschränken zu müssen. Die private Haftpflichtversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung und Risikolebensversicherung seien außerdem vorrangig und sollten abgeschlossen werden, noch bevor man an eine Zusatzversicherung denkt.

Eine objektive Beratung sei bei Zusatzversicherungen schwer: "Hier geht es sehr stark um subjektive Faktoren, um das Absicherungsbedürfnis des Einzelnen", spricht Wortberg aus Erfahrung. Für gesetzlich krankenversicherte Reisende ist eine Auslands-Krankenversicherung auf jeden Fall sinnvoll. Sie ist billig, kostet nur zwischen fünf und zehn Euro im Jahr und übernimmt, anders als die gesetzliche Krankenkasse, auch Behandlungskosten, die nicht in der Europäischen Union oder Ländern, mit denen ein Sozialabkommen besteht, anfallen.

"Sehr wichtig ist, dass die Auslands-Krankenversicherung für einen eventuell notwendigen Rücktransport nach Deutschland aufkommt", sagt Wortberg. Allerdings müssen Versicherte sich darüber im Klaren sein, dass die Versicherung nur für Reisen bis zu sechs Wochen gilt. Längere Aufenthalte müssen zusätzlich abgesichert werden.

Auch Krankenhaus-Police sinnvoll

Bei privat Versicherten ist die medizinische Versorgung im Ausland in den Leistungen der Versicherung bereits enthalten. Dennoch sollte im Einzelfall geprüft werden, ob das auch für einen möglicherweise notwendigen Rücktransport gilt und ob es Einschränkungen des Versicherungsschutzes gibt.

Laut Versicherungsexperte Wortberg ist die zweitwichtigste Versicherung die Krankenhaus-Police, eine Zusatzversicherung, die Chefarztbehandlung und Krankenhauswahl ermöglicht und die den Aufschlag für Einzel- oder Doppelzimmer im Krankenhaus abdeckt.

Bei einer zusätzlichen Pflegeversicherung ist Wortberg zurückhaltender. Der Verbraucherschützer setzt sie nicht oben auf die Prioritätenliste. Die staatliche Pflegeversicherung reiche, zusammen mit der Rente, in vielen Fällen aus.

Im Einzelfall sei jedoch eine genauere Prüfung notwendig. "Wenn zum Beispiel bei einem Ehepaar ein Partner in ein Pflegeheim muss, der andere aber zusätzlich noch eine Wohnung zu bezahlen hat, wird es manchmal eng", so Wortberg. Dabei gelte aber: "Wer eine zusätzliche Pflegeversicherung abschließen möchte, sollte dies so früh wie möglich tun, da die Versicherung im Alter kaum noch zu bezahlen ist."

Angebote vergleichen

Auf Zusatzversicherungen wie die Zahnersatz-Versicherung oder die Versicherung für Brillen kann am ehesten verzichtet werden. So ist beispielsweise eine Zahnersatz-Versicherung meist relativ teuer, die Kosten für Zahnersatz sind dafür meist relativ gering und in Anspruch genommen wird die Versicherung selten. Für gut zehn Jahre sollte der Zahnersatz ja halten.

Allgemein rät Wortberg, bei der Wahl der Versicherungen die Angebote der verschiedenen Anbieter genau zu vergleichen. Gesetzliche Krankenversicherungen bieten Zusatzversicherungen oft in Kooperation mit privaten Versicherungen an. "Der Anbieter, mit dem meine gesetzliche Versicherung zusammenarbeitet, ist aber nicht immer der Beste. Bei vermeintlich billigen Angeboten, sollte man genau hinschauen."

Wortberg hat hier eine griffige Faustregel parat: "Kostet nichts, taugt nichts." Eine zusätzliche, billige Pflegeversicherung zahle beispielsweise erst ab Pflegestufe drei, so Wortberg. "In der überwältigenden Zahl der Fälle, in denen jemand pflegebedürftig wird, ist derjenige aber erst mal über einige Jahre hinweg in Pflegestufe eins oder zwei." Und dann bringt die Versicherung überhaupt nichts.

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(sueddeutsche.de/jkf/mel)